Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.05.2018


Bezirk Imst

Seit Wochen wieder unter Wasser: Gurgl ufert bei Tarrenz aus

Die Gurgl ufert bei Tarrenz immer wieder aus. Grund ist der verlandete Stausee, der über die Jahrzehnte zu einem Biotop geworden ist. Nun nimmt sich auch die Wasserabteilung des Landes des Problems an.

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© Paschinger



Von Alexander Paschinger

Tarrenz, Imst – Man nehme ein Kraftwerk mit einem Staubecken, einen Bach mit entsprechendem Geschiebe, ein dadurch entstandenes Biotop, in dem sich auch schon ein Biber tummelt. Dazu ein Naherholungsgebiet für Wanderer und Radler, ein Erlebnismuseum, ein Ausflugsgasthaus – und mit einer ordentlichen Schneeschmelze samt mehrwöchiger Überschwemmung ist er fertig: „Ein gordischer Knoten“, wie der Imster Stadtwerke-Chef Thomas Huber die Situation an der Gurgl bei der Knappenwelt beschreibt.

Inzwischen liegen bei den Anrainern die Nerven schon etwas blank. „Ich kann mir da einiges anhören“, sagt der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll. Früher hatte man zweimal im Jahr eine Überschwemmung. Seit aber heuer die Knappenwelt Ende April aufgesperrt hat, ist die Straße unpassierbar. Die Spaziergänger haben inzwischen einen Weg hinter den Büschen in Richtung Knappenwelt getrampelt.

Vor zwei Wochen lud Bezirkshauptmann Raimund Waldner Köll und Huber zu einem Lokalaugenschein. Und er hat die Wasserrechtsbehörde in Innsbruck auf die Sache aufmerksam gemacht. Die soll nun in einer Besprechung eine Lösung finden. „Es geht darum, welche technischen und ökologischen Möglichkeiten bestehen“, so der Stadtwerke-Direktor.

„Vielleicht kann man die Wasserfassung etwas verändern?“, hofft der Bezirkshauptmann auf eine relativ einfache Maßnahme. „Wenn man den Stausee um einen halben oder ganzen Meter senkt“, glaubt BM Köll ebenfalls an eine schnelle Lösung. Jedenfalls ist es für Waldner wichtig, „den gesetzmäßigen Zustand herzustellen“. Das heißt, dass Rechte Dritter durch die Überschwemmungen nicht beeinträchtigt werden.

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Ganz so einfach sieht aber Huber diese Sache nicht: Das müsse man sich erst genau anschauen, es brauche ja auch für das Kraftwerk einen gewissen Wasserspiegel. „Man muss überprüfen, was zu machen ist.“ Aber es bleibe für ihn ein gordischer Knoten, „weil bei Biotop, Biber, Pflanzen und Kraftwerk – auf irgendetwas wird man verzichten müssen“. Natürlich habe man Verständnis für die Interessen der Tarrenzer. Andererseits stehe der derzeit überschwemmte Weg bis hinauf zur zweiten Brücke nicht umsonst im Eigentum der Stadtwerke, so Huber. Wahrscheinlich habe man immer mit Überflutungen gerechnet.

„Es ist frustrierend“, meint der Tarrenzer Ortschef, der überzeugt ist, dass „mit gutem Willen die Sache machbar wäre“. Für ihn sind die Grundübel der Staudamm, der kaum vorhandene Durchfluss und die Verlandungen. „Und jetzt sind die Überschwemmungen ein Dauerzustand, weil man über 20 Jahre einen solchen Humusaufbau im Stauraum hatte.“ Die Auswirkungen des moderaten Ausbaggerns im Vorjahr sind mittlerweile jedenfalls kaum mehr spürbar.