Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


Bezirk Schwaz

Erster Schritt zum Wasserverband

Seitens der Stadtgemeinde Schwaz können die Verhandlungen für eine Wasserverbandsgründung von Pill bis Kramsach starten. Noch gibt es viele offene Fragen, vor allem was das Stimmrecht und die Kosten angeht.

Der Hochwasserschutz soll solche Szenarien wie 2005 beim Bezirkskrankenhaus künftig verhindern.

© StadtarchivDer Hochwasserschutz soll solche Szenarien wie 2005 beim Bezirkskrankenhaus künftig verhindern.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Die Bereitschaft ist da. Doch zu viel Handlungsfreiheit will man nicht aus der Hand geben. Die Stadtgemeinde Schwaz hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, in Verhandlungen für die Wasserverbandsgründung zu gehen.

Laut BM Hans Lintner (VP) habe es bereits zahlreiche Vorgespräche und Termine mit Experten, Gemeindevertretern und Grundbesitzern gegeben. Der Wasserverband solle folgende Gemeinden einschließen: Bruck, Buch, Jenbach, Kramsach, Münster, Pill, Reith, Schlitters, Stans, Strass, Vomp, Terfens, Wiesing und Schwaz. Ohne bestimmte Kriterien könne man seitens der Stadtgemeinde einem Wasserverband aber nicht zustimmen. „Es geht um die Kompetenzen. Wir wollen nicht, dass andere über unsere Flächen bestimmen können“, sagte Lintner. Zudem müsse man den Hochwasserschutz auf das ganze Inntal beziehen und nicht nur Region für Region sehen. Weiters ist die Finanzierung für Lintner ein wesentliches Kriterium: „Wir setzen nur Maßnahmen, wenn der Finanzierungsplan steht.“ Laut ihm habe der Bund erklärt, 85 % der Kosten zu übernehmen.

„Wir müssen aufpassen, dass uns die Karten, die wir jetzt noch in der Hand haben, nicht genommen werden“, sagte VBM Martin Wex (VP). Nichts zu tun sei der falsche Weg, aber ohne gewisse Eigenständigkeiten in den Statuten des künftigen Verbandes gehe es auch nicht. Für GR Hermann Weratschnig (Grüne) sei noch unklar, wie der Wasserverband funktionieren werde: „Werden dort alle Fraktionen eingebunden oder nur die Bürgermeister? Sitzen da auch die Grundeigentümer mit drinnen? Wie viel Mitspracherecht hat jeder?“

Noch mehr Fragen wirft für ihn das Thema Oberland auf. „Der Hochwasserschutz muss ganzheitlich passieren, sprich, auch bei den Bächen im Oberland braucht es Maßnahmen. Man müsste eigentlich dort, wo das Wasser entsteht, mit Messungen und Reduktionsmaßnahmen beginnen, bevor man im Unterland plant“, sagte Weratschnig.

Für Grünen-Kollegin StR Viktoria Gruber sollte zudem die zunehmende Bodenversiegelung im Wasserverband eingebracht werden. „Wir müssen auch dieser Entwicklung entgegenwirken und uns nicht nur auf Anpassungsstrategien beschränken“, sagte Gruber.

Um einen Einblick in den derzeitigen Stand des Planungsabschnittes Mittleres Unterinntal zu geben, plant BM Lintner in den kommenden 14 Tagen eine öffentliche Info-Veranstaltung mit Experten des Landes. Kritik gebe es bis dato vor allem von den Grundbesitzern im Schwazer Osten. „Die Wassermassen müssen gerecht verteilt werden. Noch entspricht das nicht den Vorstellungen“, sagt Lintner auf Anfrage der TT. Manches könne man aber auch erst diskutieren, wenn der Wasserverband fixiert ist.

Die Verbandsgründung übernimmt BH Michael Brandl. Laut ihm sei der Vorentwurf für die Planung des Hochwasserschutzes im Mittleren Unterinntal fertig. Nun gehe es daran, die Statuten für den Wasserverband festzulegen. Eine erste Sitzung mit den Bürgermeistern habe gezeigt, dass alle möglichst rasch einen Verband gründen wollen, um dann auch handeln zu können. „Es ist ja auch eine Dringlichkeit gegeben. Wir reden von 1500 Häusern und 120 Hektar Bauland, das es im Mittleren Unterinntal zu sichern gilt“, sagt Brandl im TT-Gespräch. Laut ihm setzt sich der Verband aus Vertretern der Gemeinden und Infrastrukturträgern zusammen. Die größte Diskussion werde sich wohl um das Stimmrecht und den Kostenschlüssel drehen.