Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.06.2018


Patscherkofel

Der Innsbrucker Problemberg und das große Rechnen

Noch immer gibt es keine Klarheit über die Mehrkosten am Patscherkofel, offene Investitionen sollen im Juli geklärt sein, schwarze Null ist fraglich.

© TT/Julia HammerleWelcher finanziellen Zukunft gondelt die Kofelbahn entgegen?



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Diese Woche sollten sie auf seinem Schreibtisch landen. Die angeforderten Berichte zum Status quo am Patscherkofel. Jenem Berg, dessen Ruf in den vergangenen Jahren rund um die alte und jetzt neue Patscherkofelbahn so gelitten hat. Längst ist er nicht mehr der Innsbrucker Haus-, sondern ein Problemberg, wie er im Buche steht. Innsbrucks neuer Bürgermeister Georg Willi (Grüne) wartet jedenfalls schon gespannt auf diese Berichte. An ihnen hängt die Zukunft des Bergs.

Willi hätte sich dem Kofel und den inmitten der Koalitionsverhandlungen hineingeplatzten neuerlichen Mehrkostenanforderungen gerne in einer Sondersitzung eingehender gewidmet. Doch die Zeit hierfür sei zu knapp gewesen. Ergo soll das Ärgernis im Rahmen der Juni-Sitzung des neuen Innsbrucker Gemeinderates abgehandelt werden. Diese ist jetzt für den 14. Juni avisiert worden.

41, 55, 59: Die Kostenexplosion des Prestigeprojektes ist atemberaubend. Was mit 41 Millionen Euro an Gesamtkosten im Oktober 2015 mit 31:8 Stimmen den Gemeinderat passierte, musste im Februar 2017 auf über 55 Millionen Euro revidiert werden und dürfte nun – einer internen Kostenaufstellung zufolge – bei rund 59,9 Mio. € liegen. Also noch einmal um gute 4,5 Mio. € mehr als in der letzten Kostensteigerung verlautet. Hinzuzurechnen sind noch jene drei Millionen Euro, welche man mit der Igler Agrargemeinschaft in einem Zusatzpaket „Igls“ für dörfliche Kompensations- und Attraktivierungsmaßnahmen einst vereinbart hat.

Wie sehr die Kluft in der Bauausführung zwischen Soll und Ist liegt, dokumentiert eine interne Aufstellung der vorläufigen Abrechnung einzelner Gewerke. Wie bereits auf tt.com berichtet, liegt beispielsweise der „Spezialtiefbau“ mit 1,7 Mio. € um gut 980.000 Euro über Plan, die Baumeisterarbeiten schlagen mit gar 3,35 Mio. € mehr als geplant zu Buche. Wesentliche Mehrkosten gibt es auch in den Bereichen Innendämmung, Planungsleistungen oder Energieversorgung. Doch es gab auch Minderausgaben: etwa bei der Seilbahntechnik (rd. 506.000 €) oder auch im Bereich Zugangskontrolle (211.000 €).

Auch wenn die Patscherkofelbahn als Auftraggeber sowie die Stadt jetzt Posten für Posten durchrechnen, da oder dort noch bei einzelnen Firmen Nachlässe oder Korrekturen erreichen können – ein Gutteil dieser Mehrkosten wird der Gemeinderat abnicken müssen – weil eben viele dieser Arbeiten geleistet und abgeschlossen sind. Anders verhält es sich mit Investitionen, die noch gar nicht beauftragt worden sind. Wie etwa der Bau der rund acht Kilometer langen, beleuchteten Rodelbahn, der Umbau des Speicher- in einen Badeteich und allenfalls auch der Ausbau des Parkplatzes an der Römerstraße. Alle drei sollen teils erheblich teurer werden als budgetiert. Die Rodelbahn alleine anstatt 740.000 € bis zu zwei Mio. €. Willi will das alles im Juni im Gemeinderat debattiert wissen. Um dann im noch nicht terminisierten Juli-Gemeinderat dementsprechende Beschlüsse folgen zu lassen. Alles sei offen, heißt es. Sollte sich die Politik aber doch für Rodelbahn und Badeteich erwärmen – mit dem Bau dürfte es dann freilich frühestens ab nächstem Jahr etwas werden. Beide waren zentrale Bestandteile der Vereinbarung mit der Igler Agrar. Jedoch ohne Umsetzungspflicht. Beide seien außer Streit gestanden, sagt Agrar-Chef Karl Zimmermann. Insofern sei es schade, wenn sie nicht umgesetzt würden.

Ebenso noch unklar ist, ob der Betrieb der Bahn – wie einst versprochen – Jahr für Jahr mit einer schwarzen Null abschließen könne. Für solch eine Prognose sei die erste Wintersaison einfach nicht aussagekräftig, heißt es.