Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.06.2018


Landespolitik

Mair: Mit Chaletdörfern wird Tirol verkitscht und zubetoniert

© Foto TT / Rudy De MoorGebi Mair schlägt eigenes Raumordnungsprogramm zur Beschränkung von Chaletdörfern vor. Foto: De Moor



Die Debatte über die boomenden Chaletdörfer mit großem Flächenverbrauch geht weiter. „Damit wird die Heimat verkitscht und verbaut. Man spielt die Fassade einer Almidylle vor, die mit Authentizität nichts zu tun hat", kritisiert der grüne Klubchef Gebi Mair. Und der Bodenverbrauch sei jenseits von Gut und Böse. „Tirol verbaut pro Kopf und Jahr sieben Quadratmeter Boden. Bayern nur 3,5 Quadratmeter. Und Bayern ist immerhin die stärkste Wirtschaft Mitteleuropas."

Das Raumordnungsgesetz legt laut Mair derzeit schon fest, dass Chaletdörfer zumindest über ein Haupthaus mit Rezeption, Speisesälen etc. verfügen müssten. „Es sollte also möglich sein, Mindestdichten festzulegen, um Chaletdörfer unattraktiv zu machen." Wichtig sei, dass eine restriktive Regelung landesweit und fair für alle Gemeinden gilt. „Hier sollten nicht wieder einzelne Gemeinden in Versuchung geraten, Investoreninteressen zu bedienen."

Gleichzeitig merkt der grüne Klubchef selbstkritisch an, dass „wir als schwarzgrüne Koalition wieder Widmungsbilanzen der Gemeinden veröffentlichen sollten, damit die Öffentlichkeit den Bodenverbrauch kritisch nachvollziehen kann". Und über das Raumordnungsgesetz hinaus könnten durch ein eigenes Raumordnungsprogramm neue Chaletdörfer hintangehalten werden. „Der Tourismuskitsch namens Chaletdorf passt nicht zu einem ehrlichen Tiroler Tourismus." Schlussendlich werde mit ihnen die Heimat zubetoniert und darüber eine Grasnarbe als heile Fassade aufrechterhalten. (pn)




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