Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.06.2018


Tirol

Kufsteiner Krabbelstube bleibt Thema in der Politik

Der Kufsteiner Altbürgermeister Dillersberger kritisiert das Aus für die Krabbelstube und ist über die städtische Argumentation entsetzt.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein, Wörgl – Die Wogen um die Schließung der Kufsteiner Krabbelstube wollen sich nicht legen. Nicht nur Mütter beschweren sich über die Maßnahme, beschlossen durch den Stadtrat, sondern auch Siegfried Dillersberger, ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger Kufsteins, meldet sich zu Wort.

An sich habe er es sich „zum Prinzip gemacht, Vorgänge in der Stadtgemeinde nicht zu kommentieren, weil ich mir nicht den Vorwurf des Alten, der aus dem Hintergrund kommentiert, machen lassen möchte“, schreibt Dillersberger in einer E-Mail an die TT. In Sachen Krabbelstube, das auch sein Kind gewesen sei, könne er sich nicht mehr zurückhalten. Mit der vor 43 Jahren von Irma Pick auf rein ehrenamtlicher Basis gegründeten Einrichtung habe sich der Gemeinderat mehrmals befasst. „Es sind ja auch im Budget 2018, zumindest wurde das berichtet, entsprechende Mittel für die Krabbelstube vorgesehen. Es ist daher sicher nicht richtig, dass der Stadtrat ohne Befassung des Gemeinderates die Einrichtung einfach schließt“, meint Dillersberger. Bekanntlich hatte Bürgermeister Martin Krumschnabel bei der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt, dass die Stadtratsentscheidung ausreiche.

„In der Sache selbst bin ich bestürzt über die Argumentation, Frauen hätten die Einrichtung missbraucht“, meint der ehemalige Spitzenpolitiker. Zwar habe es auch früher immer wieder Frauen gegeben, die die Kinder länger in der Krabbelstube gelassen haben, „damals hat man mit diesen Damen gesprochen“, erklärt Dillersberger. „Die Einrichtung deswegen zuzusperren, heißt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Was würde wohl geschehen, wenn in Österreich alle Einrichtungen, die von Einzelnen missbraucht werden, gleich abgeschafft und zugesperrt würden?“, ist Dillersberger mit der Vorgangsweise nicht einverstanden.

Gänzlich unverständlich sei für ihn die Meinung, die Krabbelstube sei nicht mehr zeitgemäß. „Gerade in unserer Zeit ist es unbedingt notwendig, Müttern die Möglichkeit zu geben, während Besorgungen, Arztbesuchen usw. die Kinder gut aufgehoben zu wissen. Dass daran Bedarf besteht, wird ja auch gar nicht bestritten, weil man jetzt Alternativplätze sucht. Ich bin gespannt, wo sich diese Plätze befinden und ob sie zu gleichen Bedingungen, nicht nur für die Mütter, auch für die Stadtgemeinde, zur Verfügung stehen“, so Dillersberger abschließend.

Auch in Wörgl können Eltern in der städtischen Krabbelstube für Eineinhalb- bis Dreijährige ihr Kind nicht einfach stundenweise abgeben. Hier gibt es zwei Gruppen mit je 12 Kindern. Wobei sich die Eltern für mindestens zwei Betreuungstage (7 bis 13 Uhr) anmelden müssen, wie zu erfahren ist. Mit diesem System, so Sozialreferent NR Christian Kovacevic, sei man auch zufrieden. Eine Änderung sei nicht geplant. Im Ganzen scheinen Krabbelstuben in der Organisationsform, wie es sie zuletzt in Kufstein gab, „ausgestorben“ zu sein. Zumindest teilte man vom zuständigen Amt der Tiroler Landesregierung mit, dass keine bekannt seien.




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