Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.06.2018


Landeck

Geplantes Agrarhaus am Holzplatz bleibt umstritten

Beschwerde gegen 310.000-Euro-Projekt der Zehentschaft Landeck-Stanz ist bei Agrarbehörde eingereicht. Obmann weist Vorwürfe vehement zurück.

© WenzelAm Holzplatz der Agrargemeinschaft Zehentschaft Landeck-Stanz soll das umstrittene Objekt entstehen.Foto: Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck – „Ein Luxushaus, überdimensioniert, Beton statt Holz, das Gebot der Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit wird grob verletzt.“ Das sagen Kritiker aus den Reihen der Agrargemeinschaft Zehentschaft Landeck-Stanz (Körperschaft öffentlichen Rechts) zum geplanten Gebäude am Holzlagerplatz in Landeck-Perfuchs. Der Ausschuss mit Obmann Josef Raggl, der das Projekt mit Kosten von 310.000 Euro beschlossen hat, sieht das anders. „Was soll da schon Luxus sein? Wir möchten ein Zweckgebäude mit Hackschnitzellager, Unterstand für Geräte und Maschinen, 60 Quadratmeter Besprechungsraum und WC.“ In Holzbauweise wäre das Objekt mit 10 x 33 Meter Grundfläche keinesfalls günstiger als ein Betonhaus.

Die Agrarmitglieder würden den Platz immer öfter nutzen, „weil keiner mehr sein Holz zu Hause lagern oder bearbeiten mag“, erläutert Raggl. Das sei ein wesentlicher Grund, warum man ein „zukunftssicheres Objekt“ realisieren möchte.

Eine erste juristische Auseinandersetzung um das Vorhaben endete heuer im Jänner mit einer Zurückweisung. Das Landesverwaltungsgericht (LVwG) begründete sein Erkenntnis mit mangelnder Kostentransparenz. Womit das LVwG im Sinne der Beschwerdeführer Karl Graber und Günter Kramarcsik entschieden hatte.

Im Gegensatz zu den Beschwerdeführern habe die Agrargemeinschaft keinen Anwalt eingeschaltet, stellt Raggl fest. Man halte sich an den Rat und die Empfehlungen der Agrarbehörde beim Land.

Weil Kramarcsik und Graber auch im neuerlichen Projekt, das der 13-köpfige Agrarausschuss am 16. Mai beschlossen hatte, grobe Mängel und überhöhte Kosten sehen, reichten sie kürzlich eine Aufsichtsbeschwerde bei der Agrarbehörde ein. „Der schwerwiegendste Punkt ist die nicht nachvollziehbare Höhe der Kosten“, erläutert Anwalt Robert Eiter. „Mangels ausreichender Information über die Kosten ist es nicht möglich zu beurteilen, ob das geplante Wirtschaftsgebäude dem satzungsgemäßen Zweck der Agrargemeinschaft entspricht.“

Als problematisch wertet der Anwalt das Faktum, dass die Agrar zwar Bauherr sei, aber wesentliche Gebäudeteile von anderen Nutzern wie Jäger und Bauern betrieben würden. Die Übernahme der anfallenden Kosten bzw. Betriebskosten sei nicht geregelt. Kramarcsik zeigt auf: „Mit dem Hackschnitzellager können maximal fünf Einfamilienhäuser eine Saison bedient werden. Da ist ohn­e Bedarfserhebung geplant worden.“ Mit dem Lager falle ein wesentlicher Kostenfaktor an, der nur für drei Prozent aller 180 Mitglieder von Vorteil sei. Graber kritisiert, die Vorgangsweise der Projektbetreiber sei undemokratisch.




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