Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.06.2018


Bezirk Kufstein

Langkampfen hadert mit Plan für neue Bahntrasse

Ab Montag legen die ÖBB die Pläne für die Bahnstrecke Radfeld bis Schaftenau vor. Nicht in allen betroffenen Gemeinden ist man erfreut.

© ÖBBDie Bahntrasse von Kundl nach Schaftenau soll nach dem Erstentwurf aus dem Jahre 2016 teilweise im Tunnel (strichliert) und offen (Strich) verlaufen. Ab Montag werden die ÖBB die modifizierten Pläne in den betroffenen Gemeinden auflegen.Grafik: ÖBB



Von Wolfgang Otter

Langkampfen, Angath – Ab kommender Woche touren die Planer der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bei einer Info-Tour durch den Bezirk Kufstein. Mit dabei haben sie die Pläne für die Trasse der Neubaustrecke Schaf­tenau bis zum Knoten Radfeld für den Zulauf des Brennerbasistunnels (BBT) und die Verlängerung der bestehenden teils unterirdischen Strecke in Richtung Grenze. Derzeit werden die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitserklärung erarbeitet. Herzstück der rund 19 Kilometer langen Strecke ist ein etwa zehn Kilometer langer Bahntunnel durch den Angerberg, der in Kundl beginnt und bis Langkampfen reicht. 2008 waren die Bahnplaner letztmals in den Gemeinden. Ab Montag dürften die ÖBB einen leicht modifizierten Streckenverlauf vorlegen.

Dabei ist zu erwarten, dass ihnen besonders in Langkampfen ein eiskalter Wind entgegenweht. Der dortige Gemeinderat hat in seiner Sitzung nämlich die frühere Grundhaltung bestätigt. Dabei geht es um einen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahre 1988! Damals hieß es: „Der Gemeinderat beschließt, dass eine offene Trassenführung der Bahn in Langkampfen kategorisch und definitiv abgelehnt wird!“

Nur wird sich das nicht so einfach spielen. Die ÖBB benötigen einen offenen Verknüpfungspunkt wie in Radfeld, an dem die bestehende Gleistrasse in den Neubau übergeht. Das war von Anfang der Planung an klar.

„Es geht um landwirtschaftliche Flächen, die hier oberirdisch durchschnitten werden. Es geht hier um Schutzgüter – das sind Landwirtschaft sowie Landschaft. Zudem stellen wir die Länge der Verknüpfungsstrecke in Frage. Wir glauben, dass sie technisch nicht so lang sein muss“, sagt Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser. „Uns wurde eine offene Trasse vorgelegt und wir sind der Meinung, da muss ein Deckel drauf“, bekräftigt der Dorfchef den Beschluss von 1988, der aber nicht mehr eins zu eins umlegbar sei, wie er betont. Der Gemeinderat hat daher auch einen Rechtsanwalt beauftragt, der die Interessen der Gemeinde vertritt. „Aber wir sind derzeit bei den Gesprächen noch im sachlichen Bereich“, betont Bürgermeister Ehrenstrasser.

Bei den ÖBB erinnert man daran, dass „die heute aktuelle Trassenführung auf einem in den Jahren 2006 bis 2009 durchgeführten Trassenbewertungsverfahren basiert. Darin eingebunden waren auch die Gemeinden der Region. Auch Langkampfen hat den Entscheidungsprozess im Wesentlichen mitgetragen.“ Nach Einschätzung der ÖBB ist die vorliegende Trassenführung umweltverträglich. „Die letztgültige Entscheidung darüber liegt aber bei den Sachverständigen im Genehmigungsverfahren zur Umweltverträglichkeit.“ Die ÖBB seien zuversichtlich, in Abstimmung mit der Gemeinde Langkampfen und den Grundeigentümern eine Lösung zu finden, „die den Umweltanliegen und Interessen der Beteiligten gerecht wird“, heißt es seitens des ÖBB-Pressesprechers Christoph Gasser-Mair.

Auch in Angath hofft man, dass die Interessen der Gemeinde berücksichtigt werden. Hier ist eigentlich eine teilweise offene Trassenführung geplant, die von der Gemeinde kategorisch abgelehnt wird. Es gebe aber noch die Möglichkeit, die Trasse unter die Autobahn zu legen.