Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Bezirk Kufstein

Bauunternehmer fühlt sich von Breitenbacher Dorfchef ,,gepflanzt“

Firma Bodner will nie einen Vorschlag für einen Deponiestandort von BM Margreiter bekommen haben. Dieser weist den Vorwurf zurück.

© HaunIm Breitenbacher Ortsteil Bichl soll die Aushubdeponie angelegt werden. Foto: Haun



Von Wolfgang Otter

Breitenbach – Thomas Bodner, Chef der großen Kufsteiner Baufirma, reicht es. „Seit eineinhalb Jahren werden wir von Bürgermeister Alois Margreiter gepflanzt“, ärgert er sich. Sein Unternehmen möchte im Breitenbacher Weiler Bichl eine Bodenaushubdeponie für rund 73.000 Kubikmeter Material anlegen. Ein Vorhaben, das bereits 2016 für Wirbel bei den Anrainern und in der Gemeindestube sorgte. 2016 zog Bodner den Antrag zurück. Weil ihm, so der Unternehmer, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Alois Margreiter einen Alternativstandort versprochen hatte. „Aber auf den warte ich heute noch“, erklärt Bodner. Daher wollte die Firma das Behördenverfahren wieder aufnehmen lassen. Ein von der Bezirkshauptmannschaft angesetzter Verhandlungstermin musste aber abgesagt werden. „Den hat der Bürgermeister platzen lassen“, meint Bodner.

Tatsächlich war Margreiter schuld daran, dass der Termin nicht zustande kam. Weder er noch ein anderer politischer Gemeindevertreter hatten Zeit. Daher habe man sich dazu entschieden, die Verhandlung abzuberaumen, sagt BH Christoph Platzgummer. Angesichts der sensiblen Materie wolle man ohne politischen Vertreter nicht verhandeln.

Für Bodner ist die Zeit des Wartens vorbei: „Wir ziehen das durch“, kündigt er an. Daran ändert auch eine neuerliche Ankündigung des Bürgermeisters nichts. Margreiter hatte – die TT berichtete – bei der Gemeindeversammlung erklärt, dass er der Firma einen Alternativstandort vorschlagen möchte.

Was die von den Anrainern kritisierte Verkehrsbelastung anbelange, „haben wir ein Verkehrsgutachten, das uns Recht gibt“, verrät Bodner. Zu rechnen wäre übrigens mit einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von rund 140 Lkw-Fahrten pro Monat, je nach Fortschritt auf den Baustellen. Der Unternehmer kann auch erklären, warum dieser Standort für ihn günstig wäre. „Wir brauchen Stand­orte nahe von Ballungszentren. Diese Deponien sind rar und treiben daher die Baukosten nach oben“, sagt Bodner. Daran solle auch Margreiter als Landtagsabgeordneter denken, da im Landtag immer von leistbarem Wohnen gesprochen werde.

Natürlich denke er daran, kontert LA Alois Margreiter auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. „In Breitenbach hat es bereits drei Aushubdeponien im Ausmaß von 50.000 bis 80.000 Kubikmetern gegeben, eine weitere ist derzeit noch in Betrieb. Wir sind eine Vorbildgemeinde, was das anbelangt. Aber man sollte schauen, dass auch die Zu- und Abfahrten passen“, erklärt der Bürgermeister seine Vorbehalte zur Deponie in Bichl. Er habe übrigens Bodner sehr wohl einen Ausweichstandort vorgeschlagen. „Der wäre entlang der Landesstraße gewesen, in Richtung Haus. Da wäre die Lage auch viel günstiger“, erzählt der Dorfchef.

Er habe übrigens gebeten, die Behördenverhandlung zu verschieben, „weil ich einen wichtigen Termin wegen der neuen Bahntrasse hatte“, so Magreiter. Er wollte in den beiden wichtigen Angelegenheiten selber die Gemeinde vertreten.


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