Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Bezirk Kufstein

Amberglift hängt auch an Betreiber

Der Walchseer Gemeinderat will den Schlepplift erhalten, aber Kosten und Betreibersuche bereiten noch Kopfzerbrechen.

© HrdinaDie Gemeinde soll sich laut GR-Beschluss bemühen eine "angemessene Lösung" für den Amberglift zu finden. Neben den Kosten ist auch das Problem, dass es derzeit keinen Betreiber gibt.



Von Jasmine Hrdina

Walchsee – Die Zukunft des Amberglifts steht nun offiziell in den politischen Agenden der Gemeinde Walchsee. Bei der jüngsten Sitzung erteilte der Gemeinderat dem Vorstand den Auftrag, eine „angemessene Lösung zu finden“, erklärt Bürgermeister Dieter Wittlinger. Wie berichtet, hatte der Eigentümer der Schleppliftanlage – der Tourismusverband Kaiserwinkl – bereits das Aus beschlossen. In seiner derzeitigen Form rentiere sich die Anlage mit einem jährlichen Abgang von 65.000 bis 70.000 Euro nicht. Laut Gutachten der Firma Conos stünden außerdem Investitionen von 230.000 bis 300.000 Euro an. Die Bürger hingegen sprachen sich bei einer Gemeindeversammlung dafür aus, den Lift zu erhalten.

Für Bürgermeister Dieter Wittlinger wäre es ein denkbares Szenario, dass die Gemeinde Eigentümer der Anlage wird, „wenn es für uns bei einem jährlichen Abgang von 20.000 bis 30.000 Euro – ohne die Investitionskosten zu benennen – bleibt“, erklärt Wittlinger. Wobei die Hälfte der Summe der Tourismusverband übernehmen soll. „Darüber kann man grundsätzlich sprechen“, meint TVB-Obmann Gerd Erharter, betont aber zugleich, dass dies nur eine persönliche Meinung sei. Mit den Gremien des TVB müsse man erst sprechen. Ein jährlicher Fixbetrag wäre jedenfalls eher vorstellbar als eine prozentuelle Beteiligung am Ausfall. „Wir wollen nicht die Katze im Sack kaufen. Am Ende der Diskussion muss ein überschaubarer Fixbetrag stehen“, sagt Erharter.

Mit den Zahlen zu jonglieren und private Unternehmer sowie umliegende Gemeinden mit ins Boot zu holen, darum soll es in den kommenden Monaten gehen. Die vom TVB gesetzte Frist von Mitte August sei man durchaus bereit zu verlängern. „Wir machen nicht mit aller Gewalt Druck, wenn die Möglichkeit für eine vernünftige Lösung besteht“, verspricht der TVB-Obmann.

Die Zeit spielt allerdings eine entscheidende Rolle bei einem Grundproblem in der Causa Amberglift: Derzeit gibt es keinen Betreiber für die Anlage. Mit Ende März ist der Vertrag mit dem alten Pächter, der Liftanlagen Zahmer Kaiser GmbH, die auch den benachbarten Sessellift in Durchholzen betreibt, ausgelaufen. Auf Ausschreibungen des TVB gab es keine Reaktionen. „Einen Betreiber für den Amberglift alleine werden wir nicht finden“, fürchtet auch Wittlinger und hofft, dass sich für etwaige neue Pächter ein Synergieeffekt mit der Sesselliftanlage nur wenige hundert Meter weiter ergibt.

Fraglich ist derzeit auch, ob die Gemeinde – solange sie nicht Lifteigentümer ist – überhaupt berechtigt ist, mit den Grundstücksbesitzern zu verhandeln. Diskussionspotenzial wäre gegeben: Laut Expertengutachten ist der Pachtzins mit 25.000 Euro pro Jahr für das 1,5 ha große Areal im Mitbewerbervergleich „extrem hoch“.

Ob der Amberglift im kommenden Winter wieder fahren wird, wagt derzeit niemand vorauszusagen.




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