Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Exklusiv

Umweltanwalt gegen Kraftwerk am Matreier Tauernbach

Nach der mündlichen Verhandlung zum geplanten Ausleitungskraftwerk am Tauernbach sieht Umweltanwalt zu wenig Nutzen und zu große Eingriffe.

© umweltanwaltDer Umweltanwalt befürchtet zu große Eingriffe in den Naturhaushalt des Tauernbachs.Foto: Umweltanwalt



Von Peter Nindler

Innsbruck, Matrei i. O – Donnerstag wurden im Innsbrucker Landhaus vorerst einmal die Akten nach der mündlichen Verhandlung zum geplanten Kraftwerk am Matreier Tauernbach geschlossen. Mit dem Ausleitungskraftwerk des Landesenergieversorgers Tiwag sollen rund 20.000 Haushalte in der Region mit Strom versorgt werden, die Tiwag will rund 91 Mio. Euro investieren. Sie hofft auf einen Baustart spätestens 2021. Doch die Kritik an den Natureingriffen ist groß, gleichzeitig wird der energiewirtschaftliche Nutzen bezweifelt. Und das schon seit Jahren. Denn bereits 2009 hat der ehemalige Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft, Hubert Steiner, das Tiwag-Vorhaben als nicht nachhaltig bezeichnet.

Nach der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) kommt die Tiroler Umweltanwaltschaft zum selben Schluss: Für den stellvertretenden Umweltanwalt Walter Tschon liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Genehmigung derzeit nicht vor, weshalb die Umweltanwaltschaft einer Realisierung derzeit ablehnend gegenüberstehe. „Das öffentliche Interesse ist nicht vorhanden“, betont Tschon.

Warum nicht? Tschon verweist auf zwei zentrale Punkte. Zum einen spricht er von massiven Eingriffen in die Umwelt- und Naturschutzgüter, die sich langfristig auf den Naturhaushalt auswirken würden. Die Druckstollenleitung ist rund sechs Kilometer lang, es benötigt dazu eine große Deponie. In der Zusammenschau mit der energiewirtschaftlichen Bewertung sind die Folgewirkungen deswegen unverhältnismäßig. Wegen der Niedrigwasserverhältnisse kann zwischen Dezember und März kein Strom erzeugt werden, „allein deshalb muss die Wirtschaftlichkeit des Projekts angezweifelt werden“, schreibt Tschon in seiner Stellungnahme an die Umweltabteilung. Die Energieerzeugung erfolge hauptsächlich im Sommer, wo in Tirol ohnehin Überschüsse produziert werden. Einen Speicher gibt es nicht. Daraus ergibt sich auch kein übergeordnetes öffentliches Interesse. Und letztlich verstößt das Kraftwerk laut Tschon gegen das Verschlechterungsverbot nach der Wasserrahmenrichtlinie.

Der grüne Klubchef Gebi Mair appelliert an die Tiwag, sich von dem Kraftwerk zu verabschieden. „Die Energieproduktion im Jahresverlauf ist so, dass sie nur für das Füllen von Pumpspeichern geeignet ist, nicht jedoch für den Energiebedarf der Bevölkerung.“ Wie der Landesumweltanwalt argumentiert auch Mair, dass 92 Prozent der Energie des projektierten Kraftwerks im Sommer abgearbeitet würden.