Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.06.2018


Exklusiv

In Tiroler VP brodelt es: Wolf dementiert AAB-Boykott

Bei der Aussprache im ÖVP-Landtagsklub mit Parlamentsklubobmann August Wöginger fehlte just die Tiroler VP-Arbeit­nehmerspitze um LR Beate Palfrader.

© Thomas Böhm / TTBildungslandesrätin Beate Palfrader.



Innsbruck – Zuerst wurde am Donnerstag mit den bündischen Obleuten der ÖVP und Klubchef Jakob Wolf über die Mindestsicherung diskutiert. Danach wollte der Obmann des Bundes-AAB und Klubchef im Parlament, August Wöginger, die Tiroler ÖVP-Spitzen auf die Reformen der türkis-blauen Bundesregierung u. a. bei den Sozialversicherungen und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt einschwören. Schließlich gibt es in den westlichen Bundesländern seit Wochen massive Vorbehalte. Auch deshalb, weil einzig in Vorarlberg und Tirol die Arbeiterkammern schwarz und demnach auch die Gebietskrankenkassen von ÖVP-Vertretern dominiert werden.

Beim Info-Austauch über die Mindestsicherung war AAB-Obfrau LR Beate Palfrader noch dabei, im Klub – mit Bundes- und Nationalräten sowie den Geschäftsführern der Bünde – blieben dann einige Sitzplätze frei. Neben Palfrader versäumten noch ihre AAB-Geschäftsführerin Tanja Rupprecht, LA Heinz Kirchmair, LA Martina Nowara und LA Sophia Kircher – alle Arbeitnehmerbund – das Impulsreferat samt Aussprache mit Wöginger. Palfrader, Rupprecht und Kirchmair zählen nicht nur zur AAB-Führungsriege, sondern zum engsten Kreis um Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl. Und der ist bekanntlich wegen der Sozialversicherungen nicht besonders gut auf Wöginger zu sprechen.

Wolf: kein Boykott.
- Thomas Boehm / TT

Jetzt legt Zangerl dem Oberösterreicher sogar nahe, auf eine Funktion zu verzichten: entweder auf den AAB- oder den Klubobmann. Dass ausgerechnet die AAB-Spitzen ihrem Bundesobmann die kalte Schulter gezeigt haben, sorgt in der ÖVP seit Donnerstag für Spekulationen. Offen wird bereits von einem Boykott gegenüber Wöginger gesprochen, zumal es im Tiroler AAB die schärfsten Kritiker der türkis-blauen Bundesregierung gibt.

Andere ÖVP-Funktionäre haben bereits das Wort „Affront“ auf ihren Lippen und werfen dem AAB vor, den Bogen endgültig zu überspannen. Unter den Bünden herrscht jedenfalls ziemliche Anspannung. ÖVP-Klubchef Jakob Wolf versucht den Ball flach zu halten. „Von wegen Boykott. Die Betreffenden haben sich entschuldigt, weil sie teilweise im Urlaub waren.“ Der Klub habe über 50 Mitglieder, da würden immer einige fehlen. Palfrader sei schließlich beim Gespräch über die Mindestsicherung dabei gewesen, danach habe sie großen Termindruck gehabt, fügt Wolf hinzu. „Außerdem waren viele AAB-Funktionäre am Donnerstag dabei.“ (pn)