Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Exklusiv

Kosten für Kofelbahn: Minus höher als erwartet, EIB als Retter?

Die alte Patscherkofelbahn schrieb 2016/17 ein Minus von 850.000 Euro. Die Mehrkosten der neuen Bahn soll die Investitionsbank finanzieren.

© TT/Thomas BöhmDie neue Patscherkofelbahn (Symbolfoto).



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die politische Verantwortung für die Mehrkosten ist die eine noch offene Sache in der Causa Patscherkofelbahn. Die andere ist die unumgängliche Finanzierung derselben. Im Raum stehen bekanntlich nunmehr rund elf Millionen Euro Mehrkosten, also somit vorläufige Gesamtkosten von 66 Mio. €. Rechnet man den einstigen Kaufpreis von 10,7 Mio. € und jene drei Mio. € hinzu, mit denen Igls als Ausgleich für den Verlust der Kofel-Talstation im Dorfzentrum attraktiviert werden soll – die Stadt hat diesbezüglich einen Vertrag mit der Agrargemeinschaft geschlossen – und auch die noch nicht beschlossenen Vorhaben in der Höhe von 4,3 Mio. € (Rodelbahn und Badeteich), so kommt das Projekt auf mittlerweile 84 Mio. €.

In der heutigen Sitzung des Stadtsenats soll der Mehrkostenrahmen von elf Mio. € freigegeben werden; morgen dann vom Gemeinderat. Im Senat geht es heute aber auch um die Finanzierung dieser Kosten. Und hier plant die neue Stadtführung unter Bürgermeister Georg Willi einen finanzpolitischen Schachzug.

Demnach sollen die (Mehr-)Kosten des Patscherkofelbahnprojektes durch die Europäische Investitionsbank (EIB) getragen werden. Dort hat die Stadt 2016 einen Kredit in der Höhe von 150 Mio. € genehmigt bekommen. Auch das Land gab damals seinen Segen. Dieses Geld – genauer gesagt an die 120 Mio. € – sollte für die Ausfinanzierung des Straßen- und Regionalbahnprojektes hergenommen werden. Zu äußerst guten Zinskonditionen. Der Rest sollte für anderweitige Finanzierungen verwendet werden – so zumindest der stadtinterne Plan.

Nun rechnet die Stadt damit, dass für die Regionalbahn nicht einmal 100 Mio. € des EIB-Kredits notwendig sein werden. Also läuft die Prüfung, ob mit dem Rest das Kofel-Desaster finanziert werden kann. Eine rechtlich nicht unheikle Angelegenheit – schließlich hat die EIB den Kredit nur unter strengen Auflagen genehmigt. Ob diese auch für eine Seilbahn gelten, ist Gegenstand von Verhandlungen.

Weiters pikant: Entgegen den Prognosen fuhr die alte Kofelbahn im Geschäftsjahr 2016/17 nicht ein Minus von 600.000 €, sondern gar 850.000 € ein. Der ursprüngliche Abgang wäre in den Gesamtkosten des Neubauprojektes inkludiert gewesen – nun muss nachgeschossen werden. Zusammen mit dem – geschätzten – Abgang aus 2017/18 ergeben sich somit die bereits berichteten 384.000 € Minus.

Kurios: Bei der Flutlichtanlage Heiligwasserwiese will die Stadt nun eine 50-prozentige Kofinanzierung durch das Land erreichen.