Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Bezirk Kitzbühel

Forderung nach Umplanung des Lindacker-Projekts

Das Projekt des Tiroler Bodenfonds in Westendorf stößt im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe. Es soll neu geplant werden.

© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Westendorf – Leistbare Baugründe für Einheimische soll das Projekt Lindacker in Wes­tendorf bringen. Das Grundstück mit knapp 12.000 m2 wurde vom Tiroler Bodenfonds gekauft und soll nun bebaut werden. Kürzlich wurde es interessierten Wes­tendorfern präsentiert, bei der jüngsten Gemeinderatssitzung sorgte das Projekt nun für eine heiße Diskussion. Denn die drei VP-nahen Listen Aufwind, AAB und Wirtschaft mit zehn der insgesamt 15 Mandaten haben einen Dringlichkeitsantrag zu dem Wohnbauvorhaben eingebracht.

Ihnen stößt vor allem sauer auf, dass Wünsche von Seiten der drei Listen nicht eingearbeitet wurden. Der Wunsch des Gemeinderats sei klar Einfamilien- und Doppelhäuser gewesen, doch nun seien auch Wohnungen am Areal geplant. „Wir haben unsere Wünsche klar zum Ausdruck gebracht und es wurde uns zugesagt, dass diese Wünsche eingeplant werden. Doch das ist nicht passiert“, sagt Walter Leitner-Hölzl (AAB). Die drei Listen fordern deshalb eine neue Planungsstudie zu dem Areal. Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR) sieht dafür allerdings keine Notwendigkeit. „Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen zu den Plänen erhalten“, sagt sie und sie wolle nicht über das Grundstück eines anderen entscheiden. Die Entscheidung liege beim Bodenfonds.

Das sieht Noch-Vizebürgermeister Peter Pirchl (Aufwind) – er hat zwei Tage nach der Sitzung seinen Rücktritt eingereicht – anders. „Wir wollen einen zweiten Vorschlag. Wir haben eine Zusammenarbeit mit dem Bodenfonds beschlossen und nicht, dass sie über uns drüberfahren“, ärgert sich Pirchl. Er betonte auch, dass es nicht nur positive Rückmeldungen zu dem vorgestellten Projekt gegeben habe, was Plieseis erst nach längerem Zögern auch einräumte.

Für Johann Steixner (Wirtschaft) muss den Interessenten eine Wahlmöglichkeit präsentiert werden. Auch der Preis wurde thematisiert. Denn die Grundstücke sollen 200 Euro pro Quadratmeter kosten. Die Kosten für ein Einfamilienhaus mit 149 m2 samt Keller und einem kleinen Garten würden dann bei mindestens 400.000 Euro liegen, von sozialem Wohnbau sei hier nicht zu sprechen.

Geplant sind derzeit 17 bis 18 Häuser und zehn bis zwölf Wohnungen. Hier sei laut Plieseis Bedarf in Westendorf. Man wolle nun die Rückmeldungen aus der Bevölkerung abwarten und auch beim Bodenfonds anfragen, ob ein solcher zweiter Planungsvorschlag möglich sei. Die Bürgermeisterin werde sich dazu mit dem Bodenfonds in Verbindung setzen. Auf diese Vorgangsweise konnte man sich dann im Gemeinderat schließlich einigen.

Das Gespräch mit dem Bodenfonds gab es auch bereits. „Der Bodenfonds ist überzeugt von der Planung. Man will aber noch auf die Rückmeldungen der Interessenten warten. Wenn es denen gefällt, wird es keine Änderung geben“, sagt Plieseis auf Anfrage der TT.