Letztes Update am Di, 12.06.2018 18:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Deutschklassen sorgen in Tirol weiter für Verwirrung

Bereits im Herbst sollen die Deutschförderklassen starten, doch noch herrscht bei dem Thema Verwirrung.

© APAWie viele Schüler in die neuen Deutschförderklassen gehen sollen, ist in Tirol noch unklar. Das Ministerium beruhigt.



Innsbruck – Überrascht von den Wortmeldungen aus Tirol zeigte sich am Dienstag das Büro von ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann. Sowohl die zuständige ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader als auch die Pflichtschullehrergewerkschaft hatten fehlende Details zu den ab Herbst 2018 einzuführenden Deutschförderklassen beklagt. Die Innsbrucker SPÖ-Bildungsstadträtin Elisabeth Mayr hatte gemeint, dass aufgrund der fehlenden Vorlaufzeit, es sicher keine separaten Deutschförderklassen in Innsbruck geben werde. Außerdem hatte Mayr auf das gerade eben abgeschlossene Koalitionspapier in der Stadt verwiesen. Grüne und SPÖ sind inhaltlich gegen einen separaten Unterricht für Kinder, die schlecht Deutsch sprechen. Beide Parteien setzen auf den Tiroler Weg der Sprachstartklassen. FPÖ und ÖVP halten dagegen.

„Förderklassen keine Revolution“

Im Bildungsministerium ist man Kummer rund um die Deutschförderklassen gewöhnt. Auch in anderen Bundesländern regte sich Widerstand. In Wien machten Elternvertreter, Lehrer und Direktoren ihrem Ärger Luft. Dabei seien die neuen Deutschförderklassen keine Revolution, heißt es aus dem Bildungsministerium. „Das einzige Novum ist, dass die Deutschförderung nun verpflichtend ist.“ Bereits im Mai seien alle Beteiligten informiert worden, auch in Tirol. Im Mai hatte der Nationalrat die Deutschförderklassen mit den Stimmen der ÖVP und der FPÖ beschlossen.

Dementsprechend fielen die Reaktionen in Tirol aus. Wenn Innsbruck keine Deutschförderklassen einrichte, sei das ein Gesetzesbruch, wetterte am Dienstag FPÖ-Parteiobmann Markus Abwerzger. Die „linkslinke Innsbrucker Stadtregierung“ wolle einen „politischen Meilenstein“ die Deutschförderklassen verhindern.

Die ÖVP wirft der SPÖ in Innsbruck vor, das Koalitionspapier falsch interpretiert zu haben. Dort stehe, dass man sich im Städtebund gegen die Einrichtung von durchgehend getrennten Sprachlernklassen einsetzen wolle, sagt ÖVP-Vizebürgermeister Franz Gruber. Das ÖVP-Ministerium wolle keine durchgehend getrennten Klassen, sagt er. In Zeichnen & Co. wären die Kinder zusammen.

Das sieht wiederum die SPÖ anders. Es werde nicht mehr nach sturem Stundenplan unterrichtet, sag Mayr. Sie bittet nun in einem Brief den grünen Bürgermeister Georg Willi, unverzüglich mit dem Städtebund in Verbindung zu treten, um bei Minister Faßmann zu erreichen, dass die Einführung vorerst zumindest verschoben wird. Am Mittwoch verhandeln Gewerkschaft und Ministerium noch einmal auf Bundesebene. (aheu)