Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Bezirk Kufstein

Unterinntaltrasse: „Beim Jahrhundertprojekt nicht sparen“

Die Bürgerinitiative „Kampf dem Lärm“ befürchtet, dass Langkampfen mit der neuen Unterinntaltrasse unter die Zugräder kommt. Sie hofft auf Unterstützung durch die Tiroler Politiker – in Land und Bund.

© OtterGünter Auer (l.) und Günter Dunkl warnen vor einer Lärmbelastung, sollten die ÖBB-Pläne (unten) umgesetzt werden.



Von Wolfgang Otter

Langkampfen – Als sie vor zehn Jahren das erste Mal die Pläne für die neue Unterinntalbahn der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Langkampfe­n gesehen haben, schrillten bei Günter Auer und Günter Dunkl die Alarmglocken. Sie riefen die Gruppe „Kampf dem Lärm“ ins Leben. Seither setzen sie sich nicht nur für weniger Lärm in ihrer Gemeinde ein, sondern schauen den Planern für die Unterinntalbahn von Langkampfen-Schaftenau bis Radfeld auf die Finger.

„Wir sind Gesprächspartner auf Augenhöhe mit dem ÖBB-Team“, lobt Dunkl und fasst den Stand der Gespräche so zusammen: „Wir versuchen mit Hausverstand die Dinge aufzuzeigen, die machbar sind, und die ÖBB versuchen mit geistigen Klimmzügen das wieder zu neutralisieren.“

Günter Auer (l. Bild, links) und Günter Dunkl warnen vor einer Lärmbelastung, sollten die ÖBB-Pläne (rechts, strichliert die Tunnels) umgesetzt werden. Fotos: Otter, ÖBB
- ÖBB

Auf alle Fälle sei das, was jetzt auf die Langkampfner zukommt, nicht besonders gut und eine Verschlechterung gegenüber der Planung vor zehn Jahren: Rund 500 Meter der Trasse verlaufen nicht mehr in einer Wanne, sondern offen, und sogar die Bestandsstrecke werde angehoben.

„Aus unserer Sicht wäre es lobenswert, wenn die ÖBB mit einer ebenso positiven Überraschung zur Planpräsentation am Dienstag in den Gemeindesaal kommen würden, wie sie das in Angath gemacht haben“, spricht Dunkl die Alternativvariante für den Nachbarort an. Dort könnte die neue Trasse entgegen ersten Planungen doch in der Erde verschwinden. Bislang war vorgesehen, den Angerberger Tunnel, der in Kundl beginnt, auf Höhe von Angath durch ein offenes Stück zu unterbrechen, jetzt soll er zwei Kilometer geschlossen verlängert werden. „Wir brauchen gar keine zwei Kilometer mehr, sondern nur 1,5 Kilometer“, führt Dunkl an.

Das vorgestellte Projekt für die Unterinntalbahn sieht zwei Tunnels in Langkamp­fen vor. „Einer vom Egererboden bis zum Fischteich und der zweite ungefähr im Bereich der derzeitigen Haltestelle Langkampfen. Beide sind mit 750 Metern Länge projektiert“, erklärt Dunkl. „Wenn der rund 500 Meter lange Teil zwischen den Tunnels auch unter der Erde verlaufen würd­e, hätten wir im Groben das Projekt, das wir gerne wollen“, so Dunkl. Damit könnte ressourcenschonend gearbeitet werden sowie das Landschaftsbild und die landwirtschaftliche Fläche erhalten bleiben. „Auch der Lärm würde in Grenzen bleiben, denn der könnte für die Anrainer durch die ÖBB-Variante erheblich mehr werden“, erklären die beiden. Man dürfe nicht vergessen, was prognostiziert sei: „Wir haben derzeit an die 200 Züge pro Tag, künftig sollen hier 400 Züge fahren“, schildert Dunkl die Belastung und Auer fügt an: „Das bedeutet alle 3,6 Minuten ein Zug, Tag und Nacht.“ Erschwert werde die Situation durch die ungünstigen Windverhältnisse in der Nacht, außerdem liege das Hauptdorf (Unterlangkamp­fen, Anm.) in Hanglage „und ist dann der direkte Empfänger des Lärms“, warnt das Duo vor den Auswirkungen.

Auch der offene Verknüpfungspunkt im Ortsteil Schaftenau könnte wesentlich kürzer ausfallen. Zwar „versteckt sich dieser hinter dem Industriegebiet“, aber es gebe Schall-Lücken, die sehr schwer beherrschbar wären.

Für die Bürgerinitiative könnte durch Umplanung die offene Strecke halb so lang (knapp 600 Meter) ausfallen. „Mit der Hoffnung, dass auch dieser Teil eines Tages eingehaust wird“, sagen Auer und Dunkl. Ein zusätzliches Problem ist, dass auch die bestehende Bahntrasse angehoben wird, zeigen sie einen weiteren Knackpunkt auf.

Und warum diese Verschlechterung gegenüber 2008? „Es gibt da sicher einen Spardruck auf die Planer. Aber bei einem Jahrhundertprojekt sollte man an die Zukunft denken und nicht ans Sparen“, appellieren die beiden an ÖBB und Politik, die beste Lösung umzusetzen.

Die Initiative hofft, dass möglichst viele Langkampfner am 19. Juni in den Gemeindesaal kommen, wo ab 16 Uhr die ÖBB-Pläne vorgestellt werden.