Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Bezirk Imst

Kinderzentrum bleibt umstritten

Tarrenzer Gemeindeführung um Einbindung der Bevölkerung bemüht – zu spät und obendrein ein „verkehrstechnischer Bauchfleck“, kritisiert GV Kilian Tangl.

© PaschingerHier noch als Modell am Tisch; demnächst in Ziegel und Beton: das Kinderzentrum in Tarrenz.Foto: Paschinger



Von Thomas Parth

Tarrenz – Im Rahmen des geplanten Neubaus eines Kinderzentrums in Tarrenz fand vergangenen Montag ein Informationsabend statt. Daran nahmen rund 60 Anrainer, Lehrkräfte, Gewerbetreibende, Eltern, aber auch Gemeindevertreter teil. Neben der Präsentation des neuen Gebäudes durch Architekt Martin Tabernig standen auch Workshops mit Diskussion auf dem Programm. Deklarierte Kritiker und Befürworter des vorliegenden Entwurfs, welcher von einer Fachjury ausgewählt wurde, kamen sich trotz Bürgerbeteiligung kaum näher.

Kilian Tangls Eindruck von der jüngsten Veranstaltung, das Kinderzentrum Tarrenz betreffend, ist desaströs: „Für mich war das eine lächerliche Veranstaltung.“ Der polternde Oppositionär der Aktiven Liste Tarrenz ist seit Projektbeginn ein lautstarker Gegner des, wie er vermutet, „Bürgermeisterdenkmals“. Tangl verweist auf die Diskussionen im vergangenen Jahr, als die Kindergartenreferentin ihre Funktion niederlegte, die TT berichtete. „Wenn man bis zur Straße baut und sämtlichen Platz bis zum Gartenzaun verbraucht, ist klar, dass am Ende hinten und vorne nichts mehr zusammenpasst. Die Tief­garageneinfahrt für den Kindergarten direkt an die Kreuzung zu planen, ist für mich ein verkehrstechnischer Wahnsinn. Das Projekt ist ein Murks von A bis Z“, wettert der Tarrenzer Gemeindevorstand. Jetzt die Anrainer um Lösungsvorschläge zu bitten, sei heuchlerisch: „Weil sie (Anm. gemeint ist die Gemeindeführung) nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Alle angesprochenen vermeintlichen Lösungen habe ich schon gehört. Darüber haben wir bereits im Bauausschuss gesprochen. Es fehlen Parkplätze. Es entsteht ein architektonischer Klotz im Dorfzentrum. Und das ganze Projekt ist ein verkehrstechnischer Bauchfleck. Das nehme ich zur Kenntnis.“

Vize-BM Stefan Rueland von der Allgemeinen Tarrenzer Liste BM Köll war ebenfalls vor Ort und sieht allerdings den Abend in völlig anderem Licht. Er wohnte einer „sehr guten Veranstaltung“ bei: „Es waren zirka 60 Leute anwesend. Die Gruppen wurden bunt aus Anrainern, Lehrpersonal oder Gewerbetreibenden gemischt und haben lösungsorientiert gearbeitet.“ Nun sei es an der Zeit, die Ergebnisse zusammenzufassen und weitere Schritte z. B. durch einen Verkehrsplaner einzuleiten. „Die Problemlage ist klar und besteht schon seit Längerem. Es herrscht zu viel Verkehr. Kinder werden einzeln im Privatauto zur Schule gebracht. Ein Pedibus, wie in anderen Gemeinden, sowie Fahrgemeinschaften, aber auch städtebauliche Maßnahmen können in Summe die Situation entschärfen“, ist Rueland zuversichtlich. Ob am Ende der Diskussionen eine Begegnungszone, ein Fahrverbot, eine Einbahnregelung kommt, oder ob der Status quo erhalten bleibt, werde sich weisen. „Zunächst erfolgt der Spatenstich für den neuen Kindergarten. Während der Bauphase wird es ohnehin eingeschränkte Verkehrsfreiheit geben. Und bevor in drei bis fünf Jahren der nächste Erweiterungsschritt kommt, wird die neue Verkehrslösung greifen“, versucht Rueland die Wogen zu glätten.




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