Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Bezirk Schwaz

Dem eigenen Amtsblatt den Rücken gekehrt

Die lukrativen Tage der „Zillertaler Heimatstimme“ scheinen vorbei. In der Mayrhofner Gemeinderatssitzung wurde hitzig über die Gründe debattiert.

© DählingWolfgang Höllwarth im Kreise seiner „Team Eberharter“-Listenkollegen. Der Gemeinderat rechnet bei der „Zillertaler Heimatstimme“ mit einem Verlust von 300.000 Euro. 2017 machte das Blatt 60.000 Euro Gewinn.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Mayrhofen – 6000 Euro. So viel muss die Firma Cicero brutto der Marktgemeinde Mayrhofen zahlen. Zu der außergerichtlichen Einigung im Medienstreit „Zillertaler Heimatstimme/Zillertaler Zeitung“ war es gekommen, nachdem die Mehrheit im Gemeinderat sich vor einigen Monaten dagegen ausgesprochen hatte, da Ganze gerichtlich auszufechten. Bis 15. April hätten die 6000 Euro bezahlt werden sollen. Wurden sie aber nicht, wie Bürgermeisterin Monika Wechselberger („Für Mayrhofen“) Mittwochabend in der öffentlichen Gemeinderatssitzung mitteilte. Inzwischen sei eine Mahnung verschickt worden.

GV Hans Jörg Moigg („Gemeinsam für Mayrhofen“), VBM Franz Eberharter und GR Wolfgang Höllwarth (beide „Team Eberharter“) wussten mehr. Demnach gebe es in der Sache Korrespondenz zwischen den jeweiligen Anwälten. Und die Rechnung sei offenbar nicht bezahlt worden, weil darauf die Mehrwertsteuer nicht ausgewiesen worden sei. Dass die Opposition dieses Wissen habe, sorgte für hitzige Wortgefechte und Missverständnisse zwischen GV Markus Bair („Unser Mayrhofen“) und Moigg, die Wechselberger mit der Mahnung zur Sachlichkeit beendete. Auf Vorschlag von VBM Eberharter wurde vereinbart, die Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer nochmals an die Firma Cicero zu schicken.

Für GR Höllwarth ist die „Zillertaler Heimatstimme, das Amtsblatt der Gemeinde“, auf einem bedenklichen Weg. Eine Redakteurin wurde angestellt, aber aufgrund der Konkurrenz durch die Zillertaler Zeitung sei die Heimatstimme bei Weitem nicht mehr so lukrativ wie noch vor einem Jahr. „Wir haben jetzt erheblich weniger Einnahmen als 2017 bei höheren Ausgaben“, sagte Höllwarth. In den besten Zeiten habe die Heimatstimme 80.000 Euro Gewinn gemacht. Rund 60.000 Euro seien es im Vorjahr. „Aber 2018 werden wir wahrscheinlich einen Abgang von 300.000 Euro haben. Und ich sehe keine Chance auf Gesundung. Das auf Dauer zu tragen, wäre mutig“, sagte Höllwarth, und dass er nicht dahinterstehen könne.

„Warum hast du dann dagegen gestimmt, dass wir gegen Cicero klagen?“, fragte BM Wechselberger aufgebracht. Ihr Listenkollege Franz Josef Eberharter ergänzte, die Entwicklung sei kein Wunder, wenn die eigenen Gemeinderäte die Konkurrenz so aufleben ließen. „Ihr seid mitverantwortlich dafür!“, sagte Wechselberger. Einige Mandatare würden gegen das eigene Gemeindeblatt arbeiten. „Warum inserierst du nicht bei uns, sondern bei der Konkurrenz?“, fragte sie VBM Franz Eberharter. Der Unternehmer antwortete trocken: „Ich schaue, wo die höhere Auflage ist.“ Dann müsse er bei der Heimatstimme schalten, konterte die erboste Dorfchefin, bevor der Tagesordnungspunkt schließlich für beendet erklärt wurde.

Zur Erinnerung: Cicero Design hatte 27 Jahre lang für die Gemeinde die Heimatstimme hinsichtlich Redaktion, Layout und Inserate abgewickelt. Und zwar auf Basis einer Seitenpreisvereinbarung, die mit 31. Dezember 2017 endete. Die Dorfchefin wollte die Vergabe mit Verweis auf die Überschreitung des Oberschwellenbereichs ausschreiben. Weil der Verlust der Heimatstimme-Produktion zu Arbeitsplatzverlusten beim Cicero geführt hätte, reagierte die Firma mit einem Konkurrenzprodukt: der Zillertaler Zeitung. Cicero hatte sich vor Jahren die Domain www.heimatstimme.at gesichert, und wer etwa im Dezember darauf klickte, landete auf der Seite der Zillertaler Zeitung. Auch der Facebook-Account der Heimatstimme war plötzlich mitsamt seinen Anhängern jener der Zillertaler Zeitung. Diverse Texte und Fotos aus der Heimatstimme erschienen zudem in der neuen Zeitung bzw. ihrer Online-Version.

BM Wechselberger rechnete sich große Chancen aus, den Gerichtsprozess zu gewinnen. Die Opposition nicht. Mit 8:7 Stimmen (geheime Abstimmung) war die Klage dann abgewendet worden.




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