Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


Bezirk Kufstein

Heime für Flüchtlinge sperren zu

Bis Jahresende wird es 70 Unterkunftsplätze für Flüchtlinge weniger im Bezirk geben. Der Trend zeigt einen weiteren Abbau.

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© Mader



Von Wolfgang Otter

Langkampfen – 2015, als die gewaltige Welle an Flüchtlingen über Österreich und damit auch Tirol schwappte, mussten das Land Tirol und in Folge die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) innerhalb kurzer Zeit Unterkünfte aus dem Hut zaubern. Nicht in jeder Gemeinde und Siedlung wurden die neuen Mitbewohner gerne gesehen. In manchen Ortschaften gab es massiven Protest der Bevölkerung gegen die Eröffnung der Heime, in manchen wurde sie dadurch sogar verhindert.

Mittlerweile kommen immer weniger Flüchtlinge ins Land. Gleichzeitig mit den sinkenden Zahlen werden auch immer mehr Unterkünfte überflüssig. Nach derzeitigen Plänen der TSD werden mit Ende Juli in Münster (acht Personen), Kramsach-Voldöpp (neun Personen), Ellmau (sieben Personen), Niederndorf (zehn Personen) die Unterkünfte aufgelassen, Ende September folgen dann Schließungen in Langkampfen (zehn Personen) und Ende November in Walchsee (sechs Personen). Zum Jahresende sperrt in Wildschönau-Auffach die Einrichtung mit 20 Personen zu.

In Summe sind es um 70 Personen weniger, die betreut werden, wobei derzeit 540 im Bezirk untergebracht sind. Tirolweit sind es mit gestrigem Stand 3800.

„Ich möchte betonen, es ist auch immer wichtig, mit Gemeinde, Schule, Ehrenamt, Vermietern, Mitarbeitern und Klienten einen geeigneten Zeitpunkt für eine Schließung festzulegen“, sagt TSD-Pressesprecher Georg Mackner.

Und tatsächlich haben die Unterkünfte auch viele Ehrenamtliche auf den Plan gerufen. Diese übernahmen Patenschaften und gaben Deutschunterricht oder waren den Flüchtlingen ganz einfach bei alltäglichen Dingen des Lebens behilflich.

So auch in Langkampfen, „wo viele Freundschaften entstanden sind“, weiß BM Andreas Ehrenstrasser. Aber mittlerweile seien die Flüchtlinge der ersten Stunde alle wieder weggezogen und „mit den neuen sind keine so engen Kontakte mehr zustande gekommen. Daher wurde mir gesagt, dass es der richtige Zeitpunkt sei, um die Unterkunft aufzulassen“, sagt der Gemeindechef. Auch in Niederndorf bedauern viele Ehrenamtliche und Flüchtlinge, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist. „Es hat auch nie Schwierigkeiten gegeben“, berichtet BM Christian Ritzer. „Einheiten in dieser Größe sind auch ideal“, zieht er Bilanz. Wie die Entwicklung weitergeht, könne man noch nicht sagen, so Mackner.