Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.07.2018


Landespolitik

Mit der Opposition Bett und Tisch teilen

Mariella Lutz sitzt für die ÖVP, ihr Partner Markus Lassenberger für die FPÖ im Innsbrucker Gemeinderat. Ungewöhnlich ist das nur für die anderen.

© Thomas Boehm / TTIhre Plätze im Gemeinderat sind (hier bei der ersten Sitzung) nicht weit entfernt. Zwischen Markus Lassenberger (l.) und Mariella Lutz (r.) sitzen FP-StR Andrea Dengg und VP-Klubobmann Johannes Anzengruber.



Von Marco Witting

Innsbruck – Dass die Opposition „mit am Tisch sitzt“, das heißt es in der politischen Berichterstattung schon ab und zu. Dass man sich mit der Opposition aber Bett und Tisch teilt, das ist ­außergewöhnlich. Wobei, eines gleich vorweg, die beiden, die das betrifft, finden das gar nicht so bemerkenswert. Mariella Lutz und Markus Lassenberger sind seit zehn Jahren ein Paar. Seit wenigen Wochen sitzen sie auch gemeinsam im Gemeinderat. Sie für die Regierungspartei ÖVP. Er für die Opposition im Stadtparlament, für die FPÖ. Doch mit dieser Konstellation gehen die beiden außergewöhnlich unaufgeregt um.

„Für uns ist das gar nicht so das Thema“, gesteht Lutz beim Interview-Termin in einem Innsbrucker Lokal. Es habe sich halt so ergeben. Und Lebensgefährte Lassenberger zeigt Verständnis für jene, die vielleicht einmal die Nase rümpfen. „Es ist schon klar, dass das vielleicht eine außergewöhnliche Situation für andere ist. Aber inhaltlich sind sich FPÖ und ÖVP, wie man auf der Ebene der Bundesregierung sieht, ja durchaus nahe.“

Unternehmerin Mariella Lutz ist für die ÖVP im Gemeinderat.
- Thomas Boehm / TT

Wie in vielen Fällen der kommunalen Politik war auch der Weg des Paares dorthin ein ähnlicher. Sie kam über ihren Beruf, Lutz betreibt zwei Modeläden in Innsbruck, zum Innenstadtverein, wo sie sich engagierte. Da war der Weg zur ÖVP nicht mehr weit und letztlich ging es mit der Wahl im April dann in den Gemeinderat. Der neue FPÖ-Klubobmann Lassenberger ist als Polizist und Personalvertreter aktiv. Auch hier sei der Sprung ins Stadtparlament naheliegend gewesen.

Sie hätten sich beide für sich und für den Partner gefreut, als dann am Wahl­abend feststand, dass sie tatsächlich in den Innsbrucker Gemeinderat einziehen werden. Klar war dem Paar aber auch relativ schnell, dass die gemeinsame Zeit durch das politische Engagement nicht mehr wird. „Wir versuchen das mit den Terminen zu koordinieren und gemeinsam abzustimmen“, sagt Lassenberger. Nachsatz seiner Partnerin: „Noch gelingt das nicht ganz so gut.“

FP-Klubobmann Markus Lassenberger ist im Beruf Polizist.
- Thomas Boehm / TT

Und so sind die neun Stunden Gemeinderatssitzung zuletzt wohl auch mit die meiste Zeit, in der sich das Paar am Stück gesehen hat. Wenn auch durch zwei Plätze im Plenarsaal getrennt. Gegenwind aus den eigenen Fraktionen habe es nicht gegeben, erklären beide. „Wir haben das natürlich mit unseren Gremien besprochen, als klar war, dass wir beide an wählbarer Stelle kandidieren“, sagt Lassenberger. Einfach, um mit offenen Karten zu spielen. Und niemand, weder in der ÖVP noch in der FPÖ, habe etwas dagegen gehabt.

„Es ist ganz klar, dass wir die internen Dinge aus der Partei nicht an den anderen weitergeben. So viel Loyalität der eigenen Gruppierung gegenüber ist selbstverständlich. Das ist auch zwischen uns kein Problem und wird auch in Zukunft keines werden“, sagt Lutz. Die Themenfelder, auf die sich die beiden Neo-Mandatare unter anderem konzentrieren wollen, sind klar. Lutz möchte sich um die Wirtschaft kümmern. Lassenberger sieht das Sicherheitsthema ganz oben auf seiner Liste. Einig sind sich die beiden auch, wenn es um die Einschätzung der Arbeit im neuen Gemeinderat geht. „Es ist toll, dass man einer von 40 Menschen ist, die sich um die Anliegen in der Stadt kümmern dürfen“, sagt Lassenberger. „Ich spüre viel frischen Wind, auch durch die neuen Mandatare. Ich denke, wir können einiges bewegen“, sagt Lutz.