Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.06.2018


Exklusiv

„Bestand an Grundstücken reicht für zwei Jahre“

Neue Heimat mit 21,4 Mio. Euro Gewinn und 18.800 Wohnungen. Ruf nach „wesentlichen Entscheidungen“ im Land, um an Grundstücke zu kommen.

© iStockphotoGeeignete Grundstücke in Tirol zu finden, zählt laut den gemeinnützigen Bauträgern immer noch zu den größten Problemen.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Gestern wurde im Tiroler Landtag über die Gesetzesnovellen debattiert, die Grund und Boden leistbarer machen, Immobilienspekulation eindämmen und brachliegendes Bauland aktivieren sollen. Es brauche „wesentliche Entscheidungen im Landtag, damit wir an Grundstücke kommen“, sagte gestern Hannes Gschwentner, Geschäftsführer des gemeinnützigen Wohnbauträgers Neue Heimat Tirol und selbst ehemaliger Wohnbau-Landesrat, gestern im Rahmen der Präsentation der NHT-Jahresbilanz. Das Thema Grundstücksbeschaffung ist besonders bei den Gemeinnützigen ein Dauerbrenner. Ende 2017 hielt die Neue Heimat 92.000 Quadratmeter an Grundstücksreserven. „Das reicht für zwei Jahre“, so Gschwentner.

Zu konkreten Maßnahmen des Landes wollte sich der NHT-Chef nicht äußern. Wichtig sei aber, dass Gemeinden die Möglichkeiten der Vertragsraumordnung auch anwenden. Und punkto Baulandmobilisierung in Gemeinden, die selbst keine Grundstücke haben, sagt Gschwentner. „Grundbesitzer brauchen oft auch etwas von der Gemeinde, zum Beispiel Umwidmungen. Hier haben die Gemeinden viele Möglichkeiten.“ Sprich: Umwidmung gegen Grundverkauf an die Gemeinde.

Am wichtigsten sei es allerdings, „dass man Gemeinden davon überzeugt, dass geförderter Wohnbau etwas Gutes ist“, sagte Gschwentner. „Das kann man nicht durch Verordnungen und Gesetze schaffen.“ Mitunter bestehe in Gemeinden nämlich die Sorge, dass es durch den geförderten Wohnbau zum Zuzug von Personen ausschließlich aus niedrigen Einkommensschichten komme. Dem sei aber nicht so, betonte Gschwentner. Denn die Einkommensgrenzen, um in den Genuss von geförderten Wohnungen zu kommen, seien grundsätzlich sehr hoch. „Darunter fallen bestimmt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung“, so Gschwentner.

Kritisiert wurde zuletzt etwa seitens der SPÖ, dass die Gemeinnützigen Gewinne anhäufen, statt das Geld den Mietern zugutekommen zu lassen. „Wir brauchen diese Gewinne, sie sind das Sozialkapital für die Gesellschaft“, so Gschwentner gestern. Das Geld werde sofort reinvestiert, etwa in Grundstücke. Zudem nahm man im Vorjahr 6 Millionen Euro aus Eigenmitteln in die Hand, um Mieten zu dämpfen, etwa wenn Sprünge bei Wohnbauförderungs-Rückzahlungen anstehen. GF Markus Pollo verweist in diesem Zusammenhang zudem auf die Eigenkapitalquote von derzeit knapp 25 %, die es zu halten gelte, um genug Handlungsspielraum zu haben. „Daher können wir nicht Vermögen ausräumen, wie es sich manche wünschen.“

Im Vorjahr hat die Neue Heimat einen Jahresüberschuss von 21,4 Millionen Euro erzielt. Das Bauvolumen betrug 128 Millionen Euro, davon flossen drei Viertel in den Neubau, ein Viertel in die Instandhaltung. Insgesamt verwaltet die NHT knapp 18.800 Wohnungen (in Summe 1,4 Millionen m²), inklusive Garagen und Geschäften sind es 38.000 Einheiten.

Im Vorjahr hat die Neue Heimat 490 Wohnungen fertiggestellt, davon 90 Eigentumswohnungen. Heuer sollen 947 Wohnungen fertiggestellt werden, davon 781 Mietwohnungen und 166 Eigentumswohnungen.




Kommentieren


Schlagworte