Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.06.2018


Tirol

Luftgüte-Messstellen sollen heuer verdoppelt werden

Luftgütebericht 2017 birgt Licht und Schatten: Feinstaub geht zurück, Handlungsbedarf bei Stickstoffdioxid. Das Transitforum fordert Taten.

© ZOOM.TIROLDie Stickstoffdioxidbelastung geht hauptsächlich auf das Konto der Dieselfahrzeuge.Foto: zoom.tirol



Innsbruck – Der gestern von LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) vorgelegte Luftgütebericht lässt die Tiroler nur in einer Richtung aufatmen: Die Feinstaubbelastung (PM10) in Tirol nimmt weiter ab, der positive Trend setzt sich fort. Der festgestellte Rückgang über die vergangenen zehn Jahre sei deutlich, heißt es in dem Bericht. Wie schon 2016, so lag auch 2017 der Jahresmittelwert an allen 19 Fixmessstellen im Land teils deutlich unter 20 Mikrogramm/m³ und damit unterhalb der 50-Prozent-Marke des Jahresgrenzwertes gemäß IG-Luft. Wurden 2006 noch an vielen Messstellen die PM10-Werte an mehr als 25 Tagen überschritten, so kam 2017 nur noch die Amlacherkreuzung bei Lienz auf sechs Überschreitungstage. Je fünf wurden in Innsbruck (Andechsstraße) und Brixlegg (Innweg) gezählt.

Der Rückgang der Belastung durch Feinstaub gibt Felipe Hoffnung: „Wir stehen am Anfang einer leicht positiven Entwicklung.“ Und das, obwohl der Transitverkehr zunehme. Tempo 100 auf Abschnitten der A12 und A13 und das sektorale Fahrverbot hätten genutzt, so die für Umwelt Zuständige.

Auf Licht folgt aber auch bei der Luftgüte Schatten – und dieser hat einen Namen: Stickstoffdioxid. Wie berichtet, läuft bereits seit 2016 ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Österreich. Weil ebendiese Werte ständig überschritten werden. Das hat sich in Tirol auch 2017 nicht geändert. Nimmt man den Grenzwert für Stickstoffdioxid gemäß IG-Luft (plus Toleranz) her, dann lagen sechs Messstellen über dem zulässigen Jahresmittelwert. 13 Messstellen hatten zumindest an einem Tag eine Zielwertüberschreitung. Spitzenreiter ist und bleibt die Messstelle Vomp (A12) mit 34 Überschreitungstagen, Imst liegt mit 14 an zweiter Stelle. Aus dem Büro von Felipe heißt es aber, das Land verwende den höheren EU-Grenzwert. Weil auch nur dessen Überschreitung rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Diese Stickstoffdioxidgrenze überschritten im Jahresmittel nur Vomp, Mutters (A13) und Kundl (A12). Für Felipe trotzdem ein Auftrag, die Belastung zu senken, wie sie selbst sagt. Die Aufnahme der „sauberen“ EURO-6-Lkw in das sektorale Fahrverbot sei in Vorbereitung, das Pilotprojekt für AdBlue-Kontrollen (Abgasmanipulation bei Lkw) werde diese Woche abgeschlossen. Erste Ergebnisse kündigt Felipe in ein bis eineinhalb Monaten an. Zudem werden die Messstellen aufgerüstet. Zu den 19 sollen rund 23 weitere heuer dazukommen: „Wir wollen eine flächendeckende Erhebung in ganz Tirol haben.“

Für Transitforum-Chef Fritz Gurgiser ist die Tiroler Luftqualität in den vergangenen vier Jahren de facto gleich geblieben. Mehr als die von der Politik eingeführten Maßnahmen habe Tirol aber die Natur geholfen, sagt Gurgiser: „Durch den Klimawandel hatten wir weniger Inversionslagen und eine bessere Durchlüftung.“ Die Grenzwertzählung gemäß EU-Wert nimmt er nicht ernst. Dieser Wert sei politisch und daher für die Gesundheit der Bevölkerung viel zu hoch angesetzt. Die geplanten Verschärfungen hat Gurgiser schon oft im Ohr gehabt: „Die gehören endlich umgesetzt, nicht immer nur angekündigt.“ (mami)