Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Landespolitik

Tirol fixiert Deutschklassen

In Tirol sollen 20 bis 25 Deutschförderklassen im Herbst starten. Die Frist für Schulleitungen, Bedarf anzumelden, läuft heute ab.

© iStockphotoKinder sollen künftig in Deutschförderklassen so schnell wie möglich die Sprache lernen.



Von Sabine Strobl

Innsbruck – Nach einem politischen Schlagabtausch hat Tirol den Bedarf von 20 bis 25 Deutschförderklassen für das Schuljahr 2018/19 angemeldet. Wobei hier ausschließlich von den allgemeinbildenden Pflichtschulen die Rede ist, heißt es im Büro von Bildungslandesrätin Beate Palfrader.

Die neuen Deutschförderklassen werden laut Bildungsressort vor allem Kinder besuchen, die infolge „mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache“ als außerordentliche Schüler, also ohne Benotung, aufgenommen werden. Sie gehen das erste Mal in eine österreichische Schule. Ein Übertritt in den Regelunterricht soll nach jedem Semester möglich sein, ab Juni 2019 mit standardisiertem Verfahren. Schulautonome Initiativen sind im kommenden Schuljahr nur noch hinsichtlich des Lehrplans möglich. Dieser soll bis August stehen.

Für die Stadt Innsbruck, wo zuletzt SPÖ-Bildungsstadträtin Elisabeth Mayr für einen Aufschub plädierte, nennt das Bildungsressort voraussichtlich fünf Standorte. Jetzt möchte Palfrader die Schulen rasch fit für die Deutschförderklassen machen. „Wir begrüßen die Initiative des Bundes, zusätzlich Geld in die Hand zu nehmen, um die Deutschkenntnisse zu verbessern“, betont sie.

Schulen und Elternvertreter hatten Kritik wegen mangelnder Information, Trennung der Schüler und Einschränkung der Schulautonomie geäußert. Unterdessen vervollständigt das Bildungsministerium seine Liste. Salzburg etwa hat 27 Klassen angemeldet, Vorarlberg neun. Nur Nieder- und Oberösterreich haben noch keine Klassenzahlen genannt.

Eine Nachfrage der TT bei Direktionen von Volksschulen und NMS brachte eine große Sorge zu Tage: Die eingesetzte Lehrperson kann den (Deutsch-)Unterricht nicht alleine bewerkstelligen. Die Finanzierung einer zweiten Lehrperson oder einer zweisprachigen Assistenz ist für das kommende Schuljahr auch durch Unterstützung auf Landes- und Gemeindeebene vielerorts gesichert. Die Säule Teamteaching sei unverzichtbar, heißt es in den Schulen.