Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Exklusiv

Trotz Reform will das Land an der KUF nicht rütteln

Die Tiroler Kranken- und Unfallfürsorge (KUF) wird auch die Fusionspläne bei den Krankenkassen überstehen. Den NEOS schmeckt das gar nicht.

© Michael KristenNEOS-Landesobmann Dominik Oberhofer.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Sie fliegen weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit. Während die Fusionspläne der Bundesregierung zu den Gebietskrankenkassen und Versicherungsanstalten einiges an Wirbel ausgelöst haben, blieben die Krankenfürsorgeanstalten unbehelligt. 15 gibt es in Österreich. In Tirol heißen sie Kranken- und Unfallfürsorge (KUF). Wer dort versichert ist, zählt zu einem kleinen Kreis. Denn in die KUF darf nur rein, wer in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land steht. Also pragmatisierte Landeslehrer, Landesbeamte und Gemeindebedienstete. Sogar Vertragsbedienstete in der öffentlichen Verwaltung bleiben außen vor – und somit in der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA).

Derzeit sind in der KUF rund 5700 Beamte, 15.900 Lehrer und 900 Gemeindebedienstete versichert. Inklusive Angehörige und Pensionisten. Pro Beamtem und Jahr nimmt die KUF an die 2750 Euro ein, bei den Lehrern sind es 1990 Euro. Unterm Strich waren das im Jahr 2017 rund 15,76 Mio. Euro (Beamte) bzw. 32,03 Mio. Euro (Lehrer). Die KUF-Budgets waren jeweils ausgeglichen. An (gesetzlich vorgeschriebenen) Rücklagen stehen 2,8 bzw. 5,9 Mio. Euro zu Buche. Man kann also sagen: Die KUF steht gut da.

Die NEOS sagen: kein Wunder. Pragmatisierte können nicht gekündigt werden – die KUF muss ergo keine Arbeitslosen versichern. Im Gegensatz zur Tiroler Gebietskrankenkasse. Dort ist die Streuung der Versicherungsnehmer ungleich größer, sagt auch TGKK-Direktor Arno Melitopulos. Zum Vergleich: 2016 lukrierte die Gebietskrankenkasse pro Versichertem und Jahr nur knapp 1500 Euro. Die Rechnung ist einfach: Wo weniger an Beiträgen hereinkommt, kann auch weniger an Leistungen wieder ausbezahlt werden. Die KUF sieht das anders. Immerhin zahlen die KUF-Versicherten mehr ein, müssten Leistungen vorfinanzieren und hätten einen Selbstbehalt von fünf bis zehn Prozent zu tragen.

Aber auch die Ärzte werden unterschiedlich honoriert. „Die Grippe eines TGKK-Versicherten ist für einen Arzt weniger lukrativ als die Grippe eines KUF-Versicherten“, beklagt NEOS-Landesobmann Dominik Oberhofer. Für ihn ist das eine klare Besserstellung der KUF-Versicherten, die nicht länger tragbar sei.

Im Landhaus sieht man das nicht so. Politisch zuständig für die KUF ist LH Günther Platter. Das Land will die KUF nicht antasten, geschweige denn auflösen oder fusionieren. Die Bundesreform ziele auf die Sozialversicherungsträger ab, die KUF sei eben keine solche. Auch Gemeindeverbandschef Ernst Schöpf will nicht daran rütteln. Auch wenn er meint, dass zumindest jene für die Gemeindebediensteten ein natürliches Ablaufdatum haben, weil es einfach immer mehr Vertragsbedienstete gebe.

Sollte es überhaupt eine Änderung geben, so fände zumindest Melitopulos eine Zusammenlegung von KUF und BVA sinnvoll.




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