Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.07.2018


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Große Aushubdeponie sorgt für große Bedenken in Wörgl

Die Strabag möchte in Wörgl-Boden eine Million Kubikmeter Aushub- und Recyclingmaterial deponieren. Anrainer befürchten mehr Verkehr.

© Otter



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Im Bereich der ehemaligen Mülldeponie am Riederberg hat die Firma Strabag Großes vor: Sie will die nächsten zwanzig Jahre 700.000 Kubikmeter Bodenaushubmaterial lagern. Gleichzeitig benötigt man an die 300.000 Kubikmeter teils vor Ort durch Recycling gewonnenes Material, das zur Stabilisierung der Deponie dient. Sie wird auf 5,5 Hektar mit einer Höhe von bis zu 55 Metern angelegt. „Wir füllen das wieder auf, was früher abgebaut wurde“, sagt Strabag-Direktionsleiter Manfre­d Lechner auf Anfrage der TT dazu. Die siebeneinhalb Stunden lange mündliche Verhandlung mit zahlreichen Sachverständigen ist bereits über die Bühne gegangen.

Seitens der Stadt Wörgl ist nun mit nur geringfügigen Einwendungen zu rechnen. Im Gegensatz zu den Anrainern: Pinnersdorf-Bauer Joachi­m Astl, an dessen Hof die Lkw vorbeifahren werden, sieht das Ganze weniger entspannt. „Es geht um mehr Verkehr und Staub“, erklärt Astl gegenüber der TT. Er sieht sich mit seiner Ablehnung nicht alleine. „Alle, die hier ein Grundstück haben, müssen mit einem enormen Wertverlust leben“, befürchtet er.

Was den Verkehr anbelangt, rechnet man im Schnitt mit insgesamt rund 40 zusätzlichen Lkw-Fahrten in beide Richtungen. Aber die genaue Zahl der täglichen Transporte ist situationsabhängig. „Wenn da irgendwo eine Mure abgeht und das Material weggebracht werden muss, können das Hunderte werden“, befürchtet Astl.

Die Stadt brachte bei der Verhandlung eine Obergrenze von 50 Fahrten ins Spiel. „Wir sind da im Gespräch“, bestätigt Manfred Lechner. „Das ist vom Baustellenbetrieb abhängig“, erklärt der Strabag-Direktionsleiter. Eine Selbstbeschränkung der Transporte sei daher nicht möglich.

Die Firma hat zudem eine gültige Genehmigung zum Recycling von Material. „Die dabei anfallenden Reststoffe müssten normalerweise wieder abtransportiert werden, wir können sie hier einbauen, daher sparen wir sogar Fahrten, die genehmigt wären“, will Lechner diese entfallenden Transporte gegengerechnet wissen.

„Wir fahren nicht aus Jux und Tollerei. Wir transportieren nur das, was der Markt und die Region brauchen. Zudem sparen wir Kilometer, weil wir nur aus der direkten Umgebung anliefern“, sagt Lechner weiter. Wobei die Deponie auch anderen Firmen offen stehe.

Bürgermeisterin Hedi Wechner ist keine generelle Gegnerin: „Wie die Stadtgemeinde letztendlich entscheidet, wird man jedoch erst sehen. Aber es wird nur unbelastetes Material gelagert. Aushubdeponien sind zwar sehr umstritten, aber die Stadt braucht ja auch eine“, sagt BM Wechner. Überdies seien die Möglichkeiten, diese Deponie zu verhindern, für die Stadt sehr gering, „wir könnten sie nur hinauszögern“, meint BM Wechner.




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