Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.07.2018


Bezirk Schwaz

Wiesinger Dorfzentrum bekommt ein neues Gesicht

Gestern wurde mit der WE der Grundstein für das 9 Mio. Euro teure Projekt gelegt. Die Opposition übt Kritik und blieb dem Festakt fern.

© DählingAuf der Großbaustelle in Wiesing (o. l.) sollen bis zum Frühjahr 2020 drei Häuser mit Wohnungen und Geschäften entstehen (o. r.). Unten: Die Architekten Ferdinand Haslwanter, Marian Gritsch, BM Alois Aschberger, Christian Switak (WE), Manfred Soier (WE) und Manfred Lechner (Strabag, v. l.) unterzeichneten die Grundsteinlegungsurkunde und zementierten sie zusammen mit Bauleiter Mario Föger (Foto u. r., Bildmitte) ein.Fotos: Dähling (3), WE



Von Angela Dähling

Wiesing – Eine verschlossene Rolle mit einer Gemeindezeitung, der aktuellen TT und der Urkunde der Grundsteinlegung stand gestern im Fokus auf der riesigen Baustelle im Wiesinger Dorfzentrum. Einzementiert im künftigen Kellergeschoß soll sie auch zukünftige Generationen an den denkwürdigen gestrigen Tag erinnern. Denn da wurd­e offiziell der Grundstein für das neue Dorfzentrum der Gemeinde gelegt. Der Ort bekommt sozusagen ein neues Gesicht.

Die Bauarbeiten begannen im Juni, die Vorplanungen für das Großprojekt dauerten rund zehn Jahre. „Da haben wir begonnen, die nötigen Grundstücke im Ortszentrum anzukaufen“, blickt BM Aloi­s Aschberger zurück. 800.000 Euro habe die Gemeinde für die Gründe ausgegeben. Weitere 3,8 Mio. Euro netto kommen noch hinzu: für einen großen Dorfplatz, Gehsteige, Tiefgaragen- und Außenparkplätze sowie das so genannte gemeindeeigene Haus C, das ein Gasthaus, ein Reisebüro sowie ein Probelokal für die Bundesmusikkapelle beherbergen wird. Abtrennbar vom Probelokal für die Musikkapelle sollen auch Räume, die etwa Chöre für Proben nutzen können, entstehen, erklärt der Gemeindechef. Die Häuser A und B errichtet die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft „Wohnungseigentum“ (WE) auf Baurecht um 4,9 Mio. Eur­o netto. Ein Bäckereigeschäft, zwei bis drei noch zu vergebende Geschäftslokale sowie 15 Mietwohnungen (acht davon barrierefrei/behindertengerecht) entstehen. Das Vergaberecht hat die Gemeinde.

Trotz der langen Vorlaufzeit kommt noch viel Arbeit auf die Gemeinderäte zu. Denn ein Kriterienkatalog zur Wohnungsvergabe muss noch erarbeitet werden. Auch die Parktarife im öffentlichen Teil der ingesamt 54 Stellplätze umfassenden Tiefgarage sind offen. Gerüchte, wonach die Finanzierung des Gemeindeanteils beim Großprojekt ein Buch mit sieben Siegeln sei, dementiert der Dorfchef: „Sie ist gesichert durch das geplante Fahrtechnikzentrum und viele andere neue Betriebe in unserem Gewerbegebiet.“ Laut Aschberger entstünden dort 100 neue Arbeitsplätze, weitere 30 im neuen Ortszentrum.

Kritiker monieren, Asch­berger habe das „Gemeinde­silber“ mit dem Verkauf des Grundes für das Fahrtechnikzentrum verscherbelt, um schnell Geld für das Dorfzentrum-Projekt zu lukrieren. „Totaler Topfen“, kontert der Dorfchef. Er verweist auf Mindestkommunalsteuereinnahmen beim Fahrtechnikzentrum, wenn die geplante Zahl an Arbeitsplätzen dort nicht erreicht wird. Laut Aschberger schlüsselt sich die von der Gemeinde zu tragende Finanzierung von 3,8 Mio. € wie folgt auf: „2 Mio. € aus dem Gemeindebudget, 1,2 Mio. € Bedarfszuweisungen, der Rest über ein Darlehen.“

Die Oppositionsliste von Maria Chelucci blieb der Grundsteinlegung fern. Warum? „Beschlossen hat alles der alte Gemeinderat. Wir bekamen im weiteren Prozess nie die Chance, Ideen einzubringen“, sagt Chelucci. Ihre Liste wünsche sich, dass das Projekt gelinge. Aber sie bedaure, dass alte ortsbildprägende Bauten komplett zerstört statt mit eingebunden wurden. Auch dass der Bürgermeister ein Geheimnis um den künftigen Gastlokal-Pächter macht, kritisiert sie. „Er hätte zudem auf Vergabe­kriterien bei den Wohnungen verzichtet, aber aus rechtlichen Gründen kommt er da nicht drum herum“, behauptet sie. Zudem sei dem Gemeinderat bis dato nie ein detaillierter Finanzplan vorgelegt worden. Statt des Fahrtechnikzentrums sollte ihrer Meinung nach am dortigen Waldrand lieber die Kinder-Reha entstehen. Sie wird bekanntlich auf Aschbergers Privatgrund errichtet.




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