Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Innsbruck-Land

Wirbel um Kraftwerk in Obernberg

Für ein seit Jahrzehnten betrie­benes Kleinkraftwerk am See gibt es keine Genehmigung, der Bürger­meister ist für Legitimierung.



Von Denise Daum

Obernberg – Am Ende des Obernberger Sees befindet sich ein Kleinwasserkraftwerk eines Bauern, das seit Jahrzehnten in Betrieb ist. Wie sich nun herausgestellt hat, fehlen dafür aber Baubescheid und Betriebsgenehmigung. Das bestätigt Bürgermeister Josef Saxer. „Aufgekommen ist das Ganze aufgrund einer Anzeige. Da geht es leider um private Streitereien, eine reine Gehässigkeit.“ Das Kleinkraftwerk sei für die Bewirtschaftung der Alm in Betrieb und dafür unabdingbar.

Parallel zum bereits laufenden Genehmigungsverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft hat sich am Montagabend der Gemeinderat damit zu beschäftigen – das Kleinkraftwerk befindet sich auf Grund der Gemeindeguts­agrargemeinschaft. „Der Gemeinderat muss beschließen, unter welchen Bedingungen er das Kraftwerk akzeptiert“, erklärt Saxer. Er sehe kein Problem darin, das zu legitimieren. „Die Alternative wäre ein Dieselaggregat. Im Landschaftsschutzgebiet. Auch keine optimale Lösung“, sagt der Bürgermeister.

Der Betreiber des Kleinkraftwerks, Konrad Hörtnagl, verweist darauf, dass es seit über 100 Jahren eine Genehmigung für ein kleines Gewerk gibt – verbrieft auf einer Urkunde, die des Kaisers Siegel trägt. Danach habe er „das ein bisschen erweitert und adaptiert. Aber nur zur Almbewirtschaftung.“ Auch Hörtnagl geht davon aus, dass man ihm „etwas zu Fleiß tun will“. Weil er sich als Obmann der Weggemeinschaft gegen das Hotelprojekt am Obernberger See eingesetzt hat. Hörtnagl überlegt, ob er die Alm nicht überhaupt aufgibt. „Dann verwildert da oben halt alles“, sagt er resignierend.

Vizebürgermeister Roman Grünerbl schickt voraus, dass er grundsätzlich für die Wasserkraft sei. Von Gehässigkeit will er nicht sprechen, vielmehr sieht er es so: „95 Prozent der Bevölkerung von Obernberg halten sich an die Gesetze. Aber es gibt einen kleinen Prozentsatz, der glaubt, dass die für sie nicht gelten. Das kann es nicht sein.“ Wenn alle Vorschriften eingehalten werden, sehe er kein Problem, dass das Kraftwerk bestehen bleibt. „Aber es darf nicht Schule machen, dass zuerst gebaut und dann um Genehmigung angesucht wird“, betont Grün­erbl.