Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Exklusiv

Deutlich weniger Bettler in Innsbrucker Innenstadt

Behördenbegleitete Streifen durch Polizei und Strafamt führten zu Festnahmen und vorerst dazu, dass die organisierten Gruppen weiterzogen.

© Thomas BöhmBis dato darf das Innsbrucker Bettelverbot nur die Polizei überwachen und exekutieren.



Von Marco Witting

Innsbruck – Es seien vielleicht noch „eine Handvoll“ Bettler in den vergangenen Tagen in Innsbruck zu sehen gewesen, sagt Elmar Rizzoli. Der Leiter der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) bestätigt damit die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen in der Stadt. Die Thematik (rund um Bettel- und Schlafverbote) ist aus den politischen Debatten verschwunden, und auch die großen (organisierten) Bettlergruppen sind derzeit aus der Stadt verschwunden.

Waren es früher sicher über 50 Menschen, so seien es derzeit nur noch wenige. „Gelegenheitsbettelei gibt es noch“, sagt Rizzoli. Gerade in der Innenstadt sei es ruhig geworden, sagt der MÜG-Chef. „Die Gruppen gehen woanders hin, wo sie ungestört sind“, sagt Rizzoli und erklärt, dass die Aktionen des Stadtpolizeikommandos und des Strafamts dazu geführt hätten.

Hinter dem Ausdruck „Behördenbegleitete Streifen“ verbirgt sich das, was die Polizei als einen der Erfolgsfaktoren sieht. Gewerbsmäßiges, aggressives und organisiertes Betteln wurde über Wochen konsequent verfolgt und geahndet. Und dabei gingen die Polizisten und das Strafamt (Landespolizeidirektion) rasch vor. Strafbescheide rasch übergeben, den Ersatzarrest schnell vollziehen. Das brachte heuer bisher rund 20 bis 25 Bettler aus Osteuropa ins Gefängnis. „Wir hatten teilweise acht Personen deshalb gleichzeitig einsitzen“, erklärt Florian Greil, Leiter des Strafamts. „Anzeigen sind ihnen egal. Aber wenn die Organisatoren die Bettler dann mit ein paar hundert Euro auslösen müssen, dann schlägt sich das natürlich auf den Gewinn für die Gruppen nieder“, sagt Greil. Und die organisierten Gruppen ziehen weiter. „Das spricht sich dann herum und Innsbruck wird damit nicht mehr so interessant für sie.“

Gemeinsam mit dem Stadtpolizeikommando sei dieser „Kontrolldruck“ aufrechterhalten worden. Gleichzeitig sei man mit dem Bundesamt für Asyl auch „fremdenpolizeilich“ vorgegangen, sagt Greil. Es könne zudem sein, dass es jahreszeitenbedingt derzeit andere Städte gibt, in denen die organisierten Bettlergruppen größere Einnahmen erzielen.

Für Vize-BM Franz Gruber (VP), politisch in der Innsbrucker Stadtregierung zuständig für Sicherheit, hat sich gezeigt, dass die Maßnahmen, die man in der Vergangenheit ergriffen habe, gewirkt hätten. „Damit ist das Thema der sozialen Probleme aber nicht gelöst“, sagt Gruber, der auch für die Sozialagenden zuständig ist. Hier gelte es, auch in Zukunft weiter anzusetzen.




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