Letztes Update am Fr, 06.07.2018 18:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verkehr

Transit: Bayerische Bürgermeister auf Tiroler Kurs

Bald geht nichts mehr auf der Autobahn im bayerischen und Tiroler Inntal. Daher suchte man in Kufstein auf regionaler Ebene nach Lösungen.

© OtterLHStv. Ingrid Felipe und LH Günther Platter wurden beim Verkehrsgipfel mit den Problemen der Gemeinden konfrontiert.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – In der obersten Etage der Politik ist derzeit der Ton zwischen Deutschland und Tirol eher eisig. Die regionale Seite schaut da ganz anders aus. Am Freitag trafen LH Günther Platter und LHStv. Ingrid Felipe Vertreter von Gemeinden und Institutionen aus den Bezirken Kufstein, Kitzbühel und der bayerischen Landkreise Traunstein und Rosenheim auf Einladung der Euregio Inntal unter Präsident Walter J. Mayr. Die Sitzung fand in Kufstein statt, „im Auge des Hurrikans, wenn es um Verkehr geht“, wie es der Festungsstädter Bürgermeister Martin Krumschnabel ausdrückte. Und der Verkehrsgipfel begann mit Verspätung. Der Grund passte zum Thema: Die beiden Landespolitiker standen bei der Anfahrt auf der A12 im Stau. Wenn der Lkw-Verkehr weiter zunehme, „geht bald nichts mehr auf der Autobahn, weder in Tirol noch in Bayern“, warnte LH Platter dann auch.

Er erntete durchaus Lob für „seinen Einsatz zum Schutz der Bevölkerung, das hilft auch uns“, wie der Kiefersfeldener Bürgermeister ­Hajo Gruber meinte. Aber die Lkw-Blockabfertigung dürfe kein ständiges Mittel sein, wie der Flintsbacher Bürgermeister Stefan Lederwascher relativierte. „Denn an diesen Tagen haben wir den Verkehr im Ort.“ LH Platter ließ aber keinen Zweifel daran, dass die Lkw-Bremse derzeit weitergeführt wird. „Manchmal muss der Blutdruck etwas steigen, damit es zu einer Diskussion kommt“, meinte er.

Einig war man sich auch darin, dass die Grenzkontrollen und der Mautausweichverkehr zu „untragbaren Zuständen für die Bevölkerung führen“. Für Platter sind die Grenzkontrollen nicht notwendig und auch LHStv. Ingrid Felipe ist dagegen, „Wände an den Grenzen hochzuziehen.“

Weiterer großer Diskussionspunkt: der Bau der Brenner-Zulaufstrecke. Nicht in allen Gemeinden ist man von der Trassenwahl begeistert. LH Platters Botschaft an die Planer von ÖBB und DB: „Ihr müsst die Bedenken der Menschen ernst nehmen. Hier geht es um ein Jahrhundertbauprojekt.“ Letztlich demonstrierten die Bürgermeister Einheit. Die Euregio wird bei ihrer Generalversammlung eine Resolution erlassen: Darin verlangen die Gemeinden die Anhebung der Korridormaut für Lkw auf der Brennerstrecke in Bayern und Südtirol auf Tiroler Niveau, so wie es LH Platter beim Gipfel vorgeschlagen hat. Damit soll der Lkw-Ausweichverkehr aufgrund der niedrigeren Maut eingedämmt werden. Aber es werden auch die Themen Vignette, Grenzkontrolle und Unterinntalbahn eingebaut. „So können wir Druck von unten nach oben aufbauen“, meinte Platter zur TT.