Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Exklusiv

Hörl: „Zangerl proletenhaft“, Wolf kalmiert

In Tirols VP ist der Richtungsstreit voll entbrannt: Klubchef Wolf will kalmieren, Wirtschaftsbundchef Hörl fordert Solidarität mit Bundesregierung.

© Thomas Boehm / TT„Tirol kann sich nicht einfach von der Bundespolitik abkoppeln. Erwin Zangerl agiert proletenhaft", meint Franz Hörl 
(Wirtschaftsbundchef).



Von Peter Nindler

Innsbruck – Der seit Wochen in der Tiroler Volkspartei schwelende Konflikt über den Kurs der türkis-blauen Bundesregierung überschattet den politischen Kehraus vor der Sommerpause im Land. Der Arbeitnehmerflügel um Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl sowie AAB-Landesobfrau und Landesrätin Beate Palfrader übt harsche Kritik an der Bundespartei wegen der Arbeitszeitflexibilisierung oder der Vorgangsweise bei der Zusammenlegung der Sozialversicherungen. Der Wirtschaftsbund fordert hingegen Unterstützung für die Bundespartei. „Tirol kann sich nicht einfach von der Bundespolitik abkoppeln“, betont etwa ÖVP-Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl. Trotz der Auseinandersetzungen sei man natürlich auch in der Tiroler ÖVP arbeitsfähig, fügt Hörl hinzu. Aber das war’s dann schon mit den Freundlichkeiten.

Der ÖVP-Nationalrat nahm sich zuletzt im Parlament kein Blatt vor den Mund und bezeichnete Zangerl „als Demonstrationsbruder im Herzen“ der SPÖ, der tagtäglich mit den Spitzen der Sozialdemokratie telefoniere. Außerdem sei Zangerl ein Maulheld, meinte Hörl in der Parlamentsdebatte. Gegenüber der TT kritisierte der Zillertaler vor allem den Stil des Tiroler Arbeiterkammerpräsidenten. „Das kann es doch nicht sein, dass er uns als Hinterbänkler bezeichnet oder von Sekten redet. Was Erwin Zangerl aufführt, ist einfach proletenhaft.“

„Persönliche Verletzungen dürfen im politischen Diskurs keinen Platz haben. Respekt ist notwendig", sagt Jakob Wolf
 (ÖVP-Klubchef).
- Thomas Boehm / TT

ÖVP-Klubchef Jakob Wolf, selbst AABler, spricht von Spannungen, „aber Schreiduelle hat es bei uns im Landtagsklub keine gegeben“. Er verstehe, dass Zangerl die Interessen der Arbeitnehmer vertrete. „Das ist seine Aufgabe.“ Kritik lässt aber auch Wolf an der Bundesregierung anklingen, „die derzeit wahrscheinlich zu viele Schallplatten gleichzeitig auflegt“. Wichtig sei jedoch der Umgang miteinander, Achtung und Respekt müssten im Vordergrund stehen. „Persönliche Verletzungen dürfen keinen Platz im politischen Diskurs haben.“

Für den ÖVP-Klubobmann dürfe die Bundespolitik aber nicht zu sehr die speziellen Herausforderungen in Tirol überlagern. „Transit und Wohnen bzw. die Bodenpolitik stehen dabei im Vordergrund.“ Beim Transit und vor allem beim leistbaren Wohnen erwarte sich die Bevölkerung Lösungen von der Landesregierung. Wolf: „Da wird es ohnehin noch einige innerparteiliche Debatten geben, weil es ja wirklich Maßnahmen benötigt.“ Und diese würden natürlich auch kontrovers debattiert werden wie das Auslaufen der Widmungen auf Zeit oder die Einführung einer Zweitwohnsitzabgabe.