Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.07.2018


Innsbruck-Land

Kritik an 11 Mio. Euro teurem Bildungszentrum in Lans

Altbürgermeister und ein Anrainer bezweifeln u. a. das Finanzierungs­konzept, BM Erhard spricht von finanzierbarem „Herzensprojekt“.

© Thomas Boehm / TT



Von Denise Daum

Lans – In Lans steht eines der größten Projekte der Gemeindegeschichte am Start: der Bau eines so genannten Bildungszentrums mit Volksschule, Hort, Kinderkrippe und Kindergarten. Kostenpunkt: elf Millionen Euro. Baubeginn soll im ersten Quartal 2019 sein.

Keine Freude mit der Art des Projekts haben Peter Riedmann, der über 20 Jahre Bürgermeister war, und Christian Schubert, unmittelbarer Anrainer. Letzterer spricht von einem „gigantischen Vorhaben, vorbei am eigentlichen Bedürfnis. Das Zentrum ist für 300 Kinder ausgerichtet. Nach derzeitiger Entwicklung haben wir 2021 nur 40 Volksschulkinder. Wie will man so viele Kinder herbringen? Über große Wohnbauprojekte?“, fragt sich Schubert.

Alt-BM Riedmann bezweifelt indes das Finanzierungskonzept. Laut Aufstellung der Gemeinde sollen 5,4 Millionen von Land Tirol und Bund kommen, 800.000 sind Eigenmittel, 1,55 Millionen sollen über Kredite finanziert werden und 3,2 Millionen will die Gemeinde über Grundverkäufe lukrieren. Und genau da sieht Riedmann den Hund begraben: „Welche Grundreserven? Die gemeindeeigenen Gründe am Oberen Feld sind für geförderten Wohnbau gewidmet. So können niemals 3,2 Millionen erzielt werden.“

Bürgermeister Benedikt Erhard kann die Kritik an dem „Herzensprojekt“, wie er es nennt, nicht nachvollziehen. Dass das Bildungszentrum überdimensioniert sei, weist er entschieden zurück: „Wir bauen ja nicht aus Jux und Tollerei. Wir haben in den bestehenden Gebäuden die Kapazitätsgrenze mehr als erreicht. Der Bedarf an Kinderbetreuung nimmt stetig zu. Auch die neuen pädagogischen Konzepte in der Volksschule brauchen mehr und andere Räume, als wir sie im bestehenden Gebäude zur Verfügung haben.“ Zudem gebe es in Lans Betriebe, für deren Mitarbeiterkinder im Ort eine Betreuung benötigt werde.

Der 11-Millionen-Euro-Bau sei auch finanzierbar, versichert Erhard. „Die Kalkulation wurde von der Gemeindeaufsicht abgenommen.“ Die Gemeinde verfüge über Bauland mit einem Marktwert von rund zehn Millionen Euro. Nachdem sich der Gemeinderat ausschließlich für geförderten Wohnbau entschieden hat, reduziere sich der Wert auf ungefähr die Hälfte. „Immer noch mehr als die eingeplanten 3,2 Millionen“, sagt Erhard.