Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.07.2018


Exklusiv

Schwierige OP: Land nimmt Spitalsreform in Angriff

Stationärer Gesundheitsplan wird mit der Perspektive 2025 überarbeitet. Kos-ten sollen gedämpft und das Leistungsangebot besser abgestimmt werden.

© Thomas Boehm / TTÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg verweist auf die drei Jahre dauernden Gehaltsverhandlungen, die konsenual abgeschlossen worden seien. Diplomiertes Personal verdiene nun in Altenheimen gleich wie in Spitälern.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Spitalsfinanzierung ist einer der großen politischen Brocken für die schwarz-grünen Landesregierung. Neun öffentliche Krankenhäuser gibt es in Tirol, die Struktur ist gemischt. Innsbruck, Hall sowie Natters-Hochzirl sind unter dem Dach der Landesholding „Tirol Kliniken“, die Eigentümer des Bezirkskrankenhauses Schwaz sind zu 50 Prozent der Gemeindeverband Bezirkskrankenhaus Schwaz und die Tirol Kliniken. Das Krankenhaus St. Vinzenz in Zams ist eine gemeinnützige Gesellschaft der Ordensniederlassung der Barmherzigen Schwestern. Reutte, Kufstein, St. Johann und Lienz werden von den Gemeinden der jeweiligen Bezirke geführt.

4200 Betten sind genehmigt, knapp 4000 werden geführt. Im Vorjahr schrieben die neun Häuser ein Defizit von 60,3 Millionen Euro, auf die Tirol Kliniken entfielen dabei 57,6 Mio. Euro. Obwohl die Bezirkskrankenhäuser im Vorjahr besser abschnitten, werden die finanziellen Belastungen immer größer. Der Gemeindeverband spricht deshalb von „fast nicht mehr finanzierbaren Herausforderungen“. Ein Ansatz, der zu einer Kostenreduktion führen könnte, wäre, eine umfassende Strukturreform durchzuführen, heißt es in einem Positionspapier an die Landesregierung.

Bis zum Frühjahr 2019 wird die geforderte Reform vorliegen, denn die Landesregierung hat gestern die Überarbeitung des Regionalen Strukturplans Gesundheit in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit der Abteilung Gesundheitsrecht und Krankenanstalten werden externe Experten die Spitäler durchleuchten. „Es ist wichtig, dass wir uns genau ansehen, welches Leistungsspektrum mit welcher Kapazität auf welcher Ebene optimal angeboten werden kann“, betont Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (VP).

Am Ende des Tages könnte es weniger Spitalsbetten, mehr ambulante Erstversorgungszentren zur Entlastung der überfüllten Spitalsambulanzen und regionale Schwerpunktsetzungen geben. Nicht jedes Krankenhaus soll nämlich künftig alles anbieten. Von den Gesundheitsexperten erwartet sich die Landesregierung eine generelle Empfehlung für eine Strukturreform, „die eine Optimierung der Standorte, Organisationsformen, Kapazitäten, Fächerspektren und das Leistungsangebot“ umfassen soll, wie es heißt.

Natürlich spielt auch das Kostendämpfungspotenzial eine zentrale Rolle. Worauf wird u. a. das Hauptaugenmerk gelegt? Im Unterland (Kufstein und St. Johann) geht es beispielsweise um die Kinderversorgung, daneben um onkologische Behandlungen im Zentralraum (Innsbruck, Hall, Schwaz) oder die Fachrichtung Urologie in der Inntalfurche. Für Tirol soll überdies ein Gesamtkonzept für die Intensivversorgung erstellt werden. Der Planungshorizont ist letztlich auf das Jahr 2025 ausgerichtet.