Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Bezirk Kufstein

Reith will mit Chaletdorf Tourismus aufpolieren

Gemeinderat von Reith i. A. stimmte für die Errichtung eines Chaletdorfes, LK-Präsident Josef Hechenberger wetterte gegen Flächenverbrauch.

© Grießenböck



Von Wolfgang Otter

Reith i. Alpbachtal – Das Wort Chaletdorf sorgt derzeit bei Politikern und Raumplanern für nervöses Zucken. Landesrat Johannes Tratter spricht von klaren Grenzen, die das Land für diese Dörfer ziehen will. Kritisiert wird dabei vor allem der hohe Flächenverbrauch. „Wir haben einfach nicht den Platz wie etwa das Burgenland oder Niederösterreich zur Verfügung, damit sich Chaletdörfer uneingeschränkt bei uns ausbreiten können. Darauf fokussiert, werden wir die Gesetzeslage in Tirol in den nächsten Monaten verstärkt anpassen“, heißt es seitens der Presseabteilung des Landes. Augenmerk werde dabei auch auf die Finanzierung gelegt.

Der Flächenverbauch eines solches Dorfes, aber auch der Nutzen für eine Tourismusgemeinde, war auch am Dienstagabend Thema in der Gemeinderatssitzung in Reith im Alpbachtal, wo es um die raumordnerische Genehmigung eines solchen Projekts ging. Seit zwei Jahren bemüht sich Norbert Moser und seine Familie, auf 8000 Quadratmetern ein Chaletdorf zu errichten. Die in einer ersten Ausbaustufe geplanten zwölf Häuser mit 56 Betten samt Gastronomiebetrieb und Wellnesseinrichtungen in einem Zentralgebäude sollen statt eines alten Stalles und eines schon lange geschlossenen Liftstüberls entstehen, wie Moser der TT erzählt. Ob es zur zweiten Ausbaustufe kommt – weitere zehn Häuser – lässt der Unternehmer offen. „Wir haben keine ausländischen Investoren“, stellt Moser klar. Daher hänge die nächste Ausbaustufe vom finanziellen Erfolg der ersten 12 Chalets ab. Und es werde keine Freizeitwohnsitze geben. Moser sieht in diesen Chaletdörfern ein wichtiges Angebot für Tirol und besonders für Reith im Alpbachtal. „Die Urlauber aus einer Großstadt wollen sich nicht in eine enge Unterkunft zwängen lassen“, glaubt er an den Erfolg seines Projekts. Und die Gastronomie hätte er nicht eingeplant, „weil wir hier ohnedies gute Restaurants haben“, sagt Moser. Aber das Land hätte den Gastro-Bereich verlangt.

Im Gemeinderat sah man dann in erster Linie den Nutzen eines Chaletdorfes. Bürgermeister Hans Thaler: „Es kommt dadurch eine gehobene Gästeschicht und ich gehe davon aus, dass die Familie das Dorf touristisch betreiben wird.“ Denn, so räumt der Dorfchef ein, es habe auch schwarze Schafe gegeben, die aus den Chalets Freizeitwohnsitze machten. Und auch Thaler sprach den Flächenverbrauch an. Der führte zumindest zu einer der zwei Gegenstimmen in der geheimen Abstimmung. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger (er ist Gemeindevorstand in Reith i. A.) stand zu seinem Nein öffentlich. „Ich weise seit Jahren drauf hin, dass der Flächenverbrauch zu intensiv ist.“

Prompt gab es Stimmen aus dem Gemeinderat, die Hechenberger an die „Geschäfte, so groß wie Fußballfelder“ erinnerten. Die große Mehrheit der Gemeinderäte (12 Ja, 2 Nein, eine Enthaltung aus Befangenheit) sah den touristischen Nutzen. Denn man verliere immer mehr an Stellung in der Region. „Wie das jetzt im Land weitergeht, weiß ich nicht. Das ist noch lange nicht ausgestanden“, meinte Thaler nach der Abstimmung. Beim Land weist man darauf hin, dass „bis zu einer rechtlichen Änderung in einem Rechtsstaat die derzeitigen Rechtsgrundlagen gelten. Das gilt auch für diesen Fall“, so die Pressestelle auf TT-Anfrage.