Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Bezirk Kufstein

Wörgler Grüne wollen Gesundheitszentrum verkaufen

Die Wörgler Grünen sehen im Gesundheitszentrum Wörgl ein finanzielles Fiasko. „Reine Panikmache“, sagt BM Wechner.

© Jasmine Hrdina61.000-Euro-teure Umbauten im Wörgler Gesundheitszentrum: Die Wasserleitungen der Ordinationen u.a. sollen von jenen der Privatklinik getrennt werden.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Das Gesundheitszentrum Wörgl (GZW) sei für die Stadtgemeinde ein Fass ohne Boden, von dem man sich besser trennen sollte – davon sind die Gemeinderäte Richard Götz und Christine Mey (Wörgler Grüne) überzeugt. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung lehnten die zwei anwesenden Fraktionsmitglieder Mey und Catarina Becherstorfer daher ein Darlehen an die GZW Errichtungs GmbH in der Höhe von 61.000 Euro ab. Das Gremium genehmigte der zu 99 Prozent stadteigenen GmbH letztlich den zinsenlosen Kredit für den Bau neuer Wasserleitungen – die TT berichtete.

„Wir wundern uns immer wieder, wieso man etwas, das über Jahre defizitär ist, mit öffentlichen Geldern am Leben erhält“, ärgern sich Mey und der Wörgler-Grüne-Chef GR Richard Götz und präsentieren eine lange Liste an Zahlungen. „Das 2001 gewährte Darlehen in der Höhe von 7 Mio. Schilling – also umgerechnet rund 508.000 Euro – wurde 2010 in einen Kapitalzuschuss umgewandelt“, kritisiert Götz. Von 2003 bis 2013 seien jährlich „mindestens 100.000 € an Subventionen von der Stadtgemeinde an das GZW geflossen“. Erst vor fünf Jahren wurde ein Kredit in der Höhe von 120.000 € gewährt.

Für Bürgermeisterin Hedi Wechner sind diese Vorwürfe „reines Theater“. „Wir investieren hier in unser Eigentum“, rechtfertigt sie die Zuwendungen an die stadteigene GmbH. „Die GZW Errichtungs GmbH hat derzeit ein Kapital von etwas mehr als 30.000 Euro und einen Eigenkapitalstand von 44 Prozent – was sehr hoch ist. Erst kürzlich wurden 100.000 Euro zurückbezahlt“, entgegnet die Stadtchefin. Der jüngste Kredit sei notwendig, um die Liquidität zu gewährleisten. Es handle sich um Investitionen in ein „Anlagevermögen der Stadt“, deren Wert letztlich viel höher sei, als die Zuwendungen. „Jeder Euro, den wir zahlen, ist nicht für ein ,Fass ohne Boden‘, sondern sorgt dafür, dass die Substanz der Anlage erhalten bleibt“, betont die Bürgermeisterin.

„Wenn etwas immer wieder ein Loch in mein Budget reißt, muss ich mich eben davon trennen. Vor allem, wenn ich mich gerade auf Sparkurs befinde“, zieht Mey Bilanz. „Vor allem, da kein öffentliches Interesse besteht. Da liegt es auf der Hand, dass wir uns von der Immobilie trennen“, sagt Götz.

„Kein öffentliches Interesse?“, wundert sich Wechner und verweist auf die vielen Arztpraxen sowie die Erste-Hilfe-Ambulanz, die sich im Gesundheitszentrum befinden. „Als Vermieter der Räumlichkeiten sind wir dazu verpflichtet, das Gebäude instand zu halten.“