Letztes Update am Fr, 13.07.2018 06:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Grobe Fehlkalkulation: Neubau des MCI in Innsbruck gestoppt

Planungsstopp: Die Kostenschätzung für das Management Center Innsbruck musste innerhalb von zwei Jahren um 70 Prozent auf 135 Mio. Euro nachgebessert werden. Warum, ist noch unklar.

© MitterwachauerDirekt angrenzend an die SoWi hätte das neue MCI für 3000 Studierende in der Innsbrucker Kaiserjägerstraße hochgezogen werden sollen.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Dass da bei den kalkulierten Baukosten etwas nicht stimmt, hat sich bereits Ende letzten Jahres abgezeichnet. Nach ersten Detailplanungen standen 88 Millionen im Raum. Bei der Präsentation des Sieger­entwurfs für den Neubau der „unternehmerischen Hochschule“ MCI mit 3300 Studierenden in der Landeshauptstadt von Loudon, Habeler & Partner im November 2016 ging das Land noch von Schätzungen in der Höhe von 80 Millionen plus 25 Millionen Euro für die Parkgaragen aus. Zusätzlich hatte man sich einen Spielraum von 15 Prozent gegeben, der mögliche Preissteigerungen beinhalten sollte.

Allerdings: Bei der Ausschreibung des Architektenwettbewerbs im Februar 2016 wurde sogar ein noch viel niedriger Kostenrahmen vorgegeben: 45 Millionen für das MCI und 14 Millionen Euro für die Bus- und Pkw-Garage, die von der Stadt Innsbruck finanziert wird. Das Land Tirol hat dabei noch einen deutlichen Zusatz hinzugefügt: „Der Auslober erklärt ausdrücklich, das Bauvorhaben nur innerhalb dieses Kostenrahmens realisieren zu können.“ Weit gefehlt.

Gründe für Kostenexplosion noch unklar

Nachdem Ende 2017 die Alarmglocken schrillten, wurden die Planungen noch einmal durchkalkuliert. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Trotz möglicher Optimierungen und Umplanungen sowie einer Reduktion der Kubatur von 140.000 auf 100.000 Kubikmete­r kann der Kostenrahmen nicht eingehalten werden. Im Gegenteil: Die Schätzungen müssen um 70 Prozent auf 135 Millionen Euro nach oben korrigiert werden. Die Kalkulation für die Garagen soll sich zwischenzeitlich ebenfalls um die 40 Millionen Euro bewegen. Der für den Landesbauten zuständige Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) führt die Kostensteigerungen auf viele Faktoren zurück, nicht nur auf die durch die gute Konjunktur explodierenden Baukosten oder die städtebaulichen Vorschreibungen. Welche Gründe es noch sind, darüber gibt es noch keine konkreten Aussagen.

„Eine Kostensteigerung von 70 Prozent ist nicht zu akzeptieren. Es gibt eine Neuausschreibung", so Landesrat Hannes Tratter.
- Andreas Rottensteiner / TT

Tratter hat das Vorhaben vorerst einmal gestoppt und kündigt für Herbst eine Neuausschreibung an. Wohl auch vor dem Hintergrund des Patscherkofel-Desasters. „So etwas dürfen und können wir nicht verantworten. Daher ist es ganz einfach: Ohne die Einhaltung der Auflagen und Kostengrenzen gibt es keine vertiefende Planung.“ Die Tiroler Landesregierung bekenne sich klar zum Neubau des MCI am Standort des SoWi-Areals in Innsbruck. „Aber ein kurzer Bauverzug ist in Kauf zu nehmen – ein solch zukunftsweisendes Projekt darf nicht von Beginn an unter einem schlechten Stern stehen“, stellt der Landesrat unmissverständlich klar.

Neubau verschiebt sich um zwei Jahre

Die Neuausschreibung ist das eine, die Ursachenforschung das andere. Und da geht es derzeit rund. Denn die Ausschreibung ließ keine Interpretationsspielräume offen. Aber was passierte nach dem Zuschlag an die Wiener Architektengemeinschaft? Wer hat das Offert auf Herz und Nieren geprüft? Wer in den zuständigen Abteilungen der Landesregierung hat sich auf Basis des Angebots angesehen, ob die präsentierten Pläne mit den Vorgaben übereinstimmen und welche finanziellen Konsequenzen das Siegerprojekt hat? Oder war die Ausschreibung möglicherweise doch zu unkonkret? Hier dürfte es noch klärende Gespräche geben.

Die rechtlichen Konsequenzen hat das Land offenbar bereits geprüft, mit Klagen rechnet man nicht. Doch das wird sich in den nächsten Wochen ebenfalls weisen. Die Neuausschreibung sei allerdings die einzige Möglichkeit gewesen, heißt es.

Ursprünglich wäre bereits für heuer der Baubeginn vorgesehen gewesen, für die Finanzierung hat das Land Tirol bereits die notwendigen Budgetrückstellungen vorgenommen. Doch jetzt dürfte sich der Neubau für das derzeit auf fünf Standorte verteilte MCI um mindestens zwei Jahre nach hinten verschieben.