Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Innsbruck

Kostenexplosion beim MCI-Neubau: 30 Mio. Euro nicht eingeplant

Interne Kostenanalyse des Landes belegt: Marktpreisschwankung und Indexsteigerungen wurden bei MCI-Neubau offenbar viel zu gering bewertet. Architekten: „Es war kein Dumpingangebot.“

© Robert PariggerDie unternehmerische Hochschule MCI muss jetzt weiter auf einen Neubau für 3300 Studierende warten.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Der seit April für die Landesbauten zuständige Landesrat Hannes Tratter hat am Donnerstag den geplanten Neubau des Management Centers Innsbruck (MCI) gestoppt. Verantwortlich macht der ÖVP-Landesrat dafür eine aktuelle Analyse der seinerzeitigen Kostenschätzung von 80 Millionen Euro. Diese halte nicht mehr, mittlerweile müssten bis zu 132,5 Mio. Euro veranschlagt werden. „Und das ist nicht mehr zu verantworten“, begründet Tratter die Neuausschreibung im Herbst.

Er hat die Projektbaustelle MCI von Wirtschafts-LR Patrizia Zoller-Frischauf (VP) geerbt. Sie begleitete politisch mit der ehemaligen Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer den Architektenwettbewerb im Jahr 2016 und die darauffolgenden Planungen. Im April 2015 hat die Landesregierung für den Neubau des MCI bereits einen Kostenrahmen von 80 Mio. Euro festgelegt. Doch diese Summe war wohl die unterste Untergrenze. Schon längst kalkulierte man mit einer Kostentoleranz von 15 Prozent – also 92,3 Mio. Euro. So steht es jetzt in der aktuellen Kostenschätzung des Landes.

Zwischen Regierungsbeschluss und der Kür des Siegerprojekts im November 2016 vergingen eineinhalb Jahre, die Wiener Architekten „Loudon, Habeler &Partner“ erhielten damals den Zuschlag. Anton Kirchweger ist ein Partner, er gab sich gestern gegenüber der TT zurückhaltend, was den Baustopp betrifft. „Ich kenne die Zahlen nur aus den Medien und weiß nicht, auf welcher Basis sie erstellt wurden. Deshalb kann ich derzeit nichts dazu sagen.“ Eines versicherte Kirchweger allerdings: „Wir haben kein Dumpingangebot gelegt und auch keine Kosten ausgelagert.“

Wie kann es also zu der um 70 Prozent höheren Kostenschätzung kommen? Offenbar wurden die Baukostensteigerungen (Index) und die Marktpreisschwankungen zu gering bewertet. Alleine diese schlagen sich in der aktuellen Kostenprognose mit 30 Millionen Euro nieder. Bereits im Mai 2017 hätte man von Baukosten in Höhe von 97,2 Mio. Euro ausgehen müssen, heuer im Juni von 100,8 Mio. Samt Marktpreisschwankung und weiteren Wertanpassungen wäre bei einer Fertigstellung 2022 mit Baukosten von 122 Mio. Euro zu rechnen gewesen. Dazu kommen noch projektübergreifende Maßnahmen von zehn Mio. Euro – also insgesamt hätte der MCI-Neubau 132,5 Mio. Euro gekostet.

Was sagt LR Patrizia Zoller-Frischauf zu dieser Entwicklung? In einer Stellungnahme hält ihr Büro fest, dass es erst im Frühjahr 2017 erste Anzeichen für Kostensteigerungen gegeben habe. Natürlich seien die explodierenden Baukosten ein zentraler Faktor, doch es wären auch diverse Umplanungen notwendig gewesen. Und diese würden ebenfalls in die Millionen gehen. Keinesfalls sei das Land bei der Ausschreibung von falschen Voraussetzungen ausgegangen und habe die Baukosten zu niedrig angesetzt, heißt es abschließend.

Rechtlich sieht man im Land Tirol keine Probleme, schließlich hätte es für den zweiten Planungsschritt einen weiteren Vertrag benötigt. Die Detailplanungen wären mit zwölf Millionen Euro veranschlagt worden, doch aufgrund der davongaloppierenden Kostenschätzungen wurde schließlich die Reißleine gezogen. Über die weitere Vorgangsweise soll in den nächsten Tagen jetzt auch mit MCI-Rektor Andreas Altmann geredet werden.