Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Bezirk Schwaz

Pendlerproblem in Jenbach wird zum Nebenschauplatz

Erst wenn der Gemeinderat den Bebauungsplan für ein großes Wohn- und Handelsareal absegnet, kommt grünes Licht fürs Parkhaus.

© DählingAuf dem Toleranzareal links im Bild sollen neben einem Parkhaus für Pendler auch Handelsflächen und über 100 Wohnungen entstehen. Wenn der Gemeinderat in zwei Wochen Widmung und Bebauungsplan absegnet, könnten die Verträge zur Errichtung des Parkhauses unterzeichnet werden.



Von Angela Dähling

Jenbach – Viel Geld wurde in den letzten zehn Jahren in Planungen und viele Worte in Vertröstungen gesteckt. Doch das Ende der Parkplatznot am Jenbacher Bahnhof ist bis jetzt nicht mehr als eine Fata Morgana. Statt endlich mehr Parkplätze zu schaffen, haben die ÖBB seit Jänner sogar die Anzahl der Kurzzeit-Parkplätze reduziert. Der Grund sind Umbauarbeiten im daneben liegenden Bahnhofsgebäude – die WC-Anlagen werden modernisiert und ein paar neue Büroflächen geschaffen. Sieben Monate dauern die Arbeiten schon. Die Dauer ist für manchen Kunden nicht nachvollziehbar.

Wer jemanden zum Bahnsteig begleiten oder sich schnell eine Zeitschrift im Bahnhofskiosk kaufen will, braucht Glück oder gute Nerven, damit er für zehn Minuten einen Platz für sein Auto findet, ohne den Verkehrsfluss zu behindern. „Den ÖBB sind die Bahnkunden wurscht“, meint eine Frau am Bahnhof frustriert. Das weist ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair entschieden zurück. Die Bauarbeiten würden planmäßig verlaufen und bis Ende September andauern. Zur Lagerung von Baumaterial oder zum Abstellen von Fahrzeugen müssten nun mal leider vorübergehend Teile der Kurzparkzone in Anspruch genommen werden. Und wie ist der Stand der Dinge beim geplanten Parkhaus? „Die Grundstücksverhandlungen laufen aus unserer Sicht konstruktiv und gut. Sobald eine Einigung erreicht ist, werden wir mit Hochdruck auf eine eisenbahnrechtliche Genehmigung hinarbeiten. Sofern alle diese Schritte wie geplant ablaufen, ist aus heutiger Sicht ein Baustart im Herbst 2019 möglich“, teilt Gasser-Mair mit.

Nichts Neues also auch hier, denn seit rund zwei Jahren heißt es, man befinde sich in Sachen Vertragsunterzeichnung mit dem Besitzer des Toleranzareals in der Zielgeraden. „Verträge sind noch keine unterzeichnet“, hält Gasser-Mair diese Woche gegenüber der TT fest.

Wie berichtet, besitzt Ulrich Goess-Enzenberg auf der anderen Seite der Gleise – im Gewerbegebiet in der Austraße, angrenzend an den Hofer-Supermarkt, ein 6800 m² großes Grundstück, auf dem längst ein Parkhaus rasch und konstengünstig gebaut werden könnte. Er grenzt Richtung Norden direkt an das Bahnsteigende. Die ÖBB verfolgten diese Variante nicht weiter – weil man im Konsens mit der Gemeinde eine Lösung anstrebt. Und diese am Toleranzareal festhält. Die ÖBB hätten eine weitere alternative Planung vorbereitet. „Nach Zustimmung der Gemeinde kann sie jederzeit umgesetzt werden“, hieß er bereits vor Monaten seitens der ÖBB.

Doch der Gemeinde geht es vor allem um die städtebauliche Entwicklung. Am 30.000 m² großen Toleranzareal, das einst ein schöner Park mit vielen Bäumen war, soll nämlich nicht nur das Parkhaus mit rund 430 Stellplätzen entstehen, sondern auch über 100 neue Wohnungen und viele Geschäfte. „In der Gemeinderatssitzung am 13. August sollen die Widmung und der Bebauungsplan beschlossen werden. Danach können die Verträge zwischen ÖBB und Grundbesitzer unterzeichnet und der Sack zugemacht werden“, sagt Jenbachs Bürgermeister Dietmar Wallner. Es sei verständlich, dass der Grundbesitzer die Verwertung seines restlichen Grundes gesichert haben will, wenn er Grund an die ÖBB verkaufe, meint Wallner.

Braucht es noch mehr Wohnungen in Jenbach und Handel außerhalb des Ortskerns, wo viele Geschäfte mit rückläufiger Kundenfrequenz zu kämpfen haben? Wallner: „Wir waren im Bezirk einst ein großer Handelspunkt und sagen nicht Nein, wenn es gelingt, attraktiven Handel nach Jenbach zu bringen.“