Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Bezirk Kufstein

Protest gegen Bahntrasse eint Anrainer und Lokalpolitik

In Kufstein formiert sich eine Bürgerinitiative gegen eine neue oberirdische Bahntrasse. Unterstützung erhält sie im Rathaus.

© VotellerDie Mitglieder der in Gründung befindlichen Bürgerinitiative deponierten bei BM Martin Krumschnabel (8. v. r.) ihre Befürchtungen.Foto: Votteler



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Festungsstadt erhält eine neue Bürgerinitiative. Der Name steht für das Programm: „Keine Trasse ohne Tunnel“, wie Bernd Henzinger, Bewohner des Ortsteils Morsbach erzählt. In den nächsten Tagen findet die Gründung statt. Wie berichtet, droht der Ortsteil Morsbach, aber auch der Hippbichl unter die Gleise zu kommen, und zwar unter jene der neuen Unterinntaltrasse von Schaftenau bis Rosenheim. Bislang war immer von einem Tunnel im Kufsteiner Stadtgebiet die Rede, mit den ersten Studien ist auch eine oberirdische Trasse, zumindest über einige Kilometer, möglich.

An die 20 Anrainer haben bereits bei Bürgermeister Martin Krumschnabel vorgesprochen und einen Schulterschluss erreicht. Aus Sicht des Bürgermeisters gibt es zwei Ansätze, die parallel verfolgt werden sollten, wie er mitteilt. Einerseits wird sich die Gemeinde darum bemühen, gemeinsam mit Fachleuten die jetzt vorgelegten Pläne zu analysieren und Argumente zu sammeln, die eine oberirdische Trassenführung durch Kufstein verhindern.

Bei der Initiative erinnert man dabei auch an den Naherholungswert von Morsbach für Kufstein. Gleichzeitig soll aber laut dem Stadtchef auch politischer Druck bei den Verantwortungsträgern im Bund erzeugt werden, „da die letztgültige Entscheidung über die Trassenführung und damit auch über die Finanzierung bei der Politik liegen wird“.

„Es ist mir unverständlich, dass es hier keine politischen Vorgaben gibt, die derartige Trassenvarianten von vornherein ausschließen. Immerhin baut man hier für die nächsten 100 bis 200 Jahre, und ich bin mir nicht nur mit den Bürgern, sondern auch mit allen Bürgermeistern aus Tirol und Bayern, mit denen ich bislang gesprochen habe, darüber einig, dass unter keinen Umständen aus finanziellen Gründen eine Variante gewählt werden darf, die die Bürger stärker belastet. Aus meiner Sicht ist eine oberirdische Trassenführung in Kufstein völlig undenkbar, da Tausende Menschen unter einer zunehmenden Lärmbelastung leiden würden, obwohl Kufstein bereits jetzt durch Pkw- und Lkw-Transit enorm belastet ist“, sagt Krumschnabel.

Er freue sich auch „über die Solidarität des Landeshauptmannes Günther Platter. Die Menschen in Kufstein wollen aber Ergebnisse, und je früher man seitens der hohen Politik eine oberirdische Trasse durch Kufstein kategorisch ausschließt, desto schneller wird man das Thema in Kufstein vom Tisch haben“, so Krumschnabel.


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