Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Landespolitik

Gemeinderat bleibt dezimiert

Der Vilser Vize ist bereit, sich der BM-Wahl zu stellen, wenn sein Arbeitgeber mitmacht.

© Stadtgemeinde VilsDie Stadt Vils wird wohl im September einen neuen Stadtchef bekommen.Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Vils – Der Gemeinderat der Stadt Vils mit eigentlich 13 Mitgliedern ist durch den Tod von Bürgermeister Günter Keller und das freiwillige Ausscheiden des Maho-Volksbefragungsrebellen Markus Petz um zwei Personen dezimiert worden. Neben dem traurigen und emotionalen Aspekt der freigewordenen Plätze wäre das Nachrücken von Ersatzgemeinderäten ein reiner Formalismus – könnte man meinen. Genau das ist in Vils aber nicht der Fall. Denn alle zehn Ersatzgemeinderäte der Einheitsliste weigerten sich in den Gemeinderat einzuziehen und verzichteten auf ihr Nachrückerecht. Einige machten geltend, so hört man im Städtchen, dass sie im Jahr 2016 nur auf die Liste gegangen wären, um Bürgermeister Günter Keller zu unterstützen. Ein Einsatz im Stadtparlament sei nie geplant gewesen, die persönliche Lebensplanung eine andere. Ob auch eine Art „Katerstimmung“ nach der monatelangen Maho-Ansiedelungsdebatte samt Volksbefragung eine Rolle spielt, war nicht zu eruieren.

Rechtlich stellt sich in Vils kein Problem. Die Zahl der Gemeinderäte darf nur nicht unter die Hälfte der Mandatszahl von 13 fallen. Soll heißen: In Vils sind 13 Mandatare inklusive Bürgermeister vorgegeben. Der Gemeinderat ist voll handlungsfähig, solange sieben in Amt und Würden sind. Mit den verbliebenen elf Gemeinderäten lässt sich also problemlos bis zur nächsten Wahl 2022 weitermachen.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass nicht das Volk, sondern der Gemeinderat den neuen Stadtchef nach dem Ableben von BM Günter Keller wählen wird. Bis kommenden Freitag, 3. August, müsste die Stadt Vils nämlich einen Bürgermeisterkandidaten der Einheitsliste an die BH Reutte melden. Tut sie das nicht, fällt die Volkswahl flach und der Gemeinderat ist am Zug. Da es in der kürzlich abgehaltenen Gemeinderatssitzung keinen diesbezüglichen Tagesordnungspunkt gab und die nächste Sitzung erst im September angesetzt ist, dürfte die Einheitsliste den Termin verstreichen lassen.

Auf TT-Nachfrage erklärt Vizebürgermeister Manfred Immler, der derzeit die Geschicke der Stadt leitet, dass er sich den Schritt gut überlegt hat und sich vorstellen kann, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Davon überzeugen muss er eigentlich nur noch fünf Vilser. Wählt nämlich der auf elf Personen reduzierte Gemeinderat im September, dann benötigt Immler die einfache Mehrheit von sechs Stimmen. Sein eigenes Ja mitgerechnet, bleiben fünf. Selbstverständlich wird er auf ein einstimmiges Votum seiner Mitstreiter vertrauen. Viel entscheidender, ob der Kandidat überhaupt Immler heißen wird, ist sein Arbeitgeber Deckel Maho in Pfronten. Der Vilser Vize hat dort um den Sanctus des Unternehmens samt Reduzierung auf 50 Prozent angesucht, sollte er sich zur Verfügung stellen, aber noch keine Antwort erhalten. Völlig offen ist auch noch die Vizebürgermeister(innen-)frage im Grenzstädtchen.