Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Innsbruck

St. Nikolaus ist bei Investoren heiß begehrt

Immer mehr alte Häuser verschwinden, eine Initiative kämpft für den Er­halt des Charakters der „Koatlackn“. Unterstützung kommt von BM Willi.

© Elena Reinthaler / TTSt. Nikolaus ist der älteste Stadtteil von Innsbruck, immer mehr Gebäude werden abgerissen.



Von Denise Daum

Innsbruck – Innsbrucks ältesten Stadtteil sehen dessen Bewohner in Gefahr. Wolfgang Burtscher und Michael Guggenberger haben deshalb die Initiative „Stoppt den Abriss von St. Nikolaus“ gegründet und kämpfen seit über einem Jahr mit weiteren Anrainern gegen den „Ausverkauf der Koatlackn“. Der Investorendruck auf den Stadtteil ist groß. „In den letzten Jahrzehnten wurde in der Koatlackn ein Viertel der historischen Bausubstanz zerstört, die Hälfte davon allein in den letzten zehn Jahren. Perfiderweise werden gerade neue Bauprojekte mit der herrlichen Lage in historischem Ambiente beworben“, ärgert sich Guggenberger. Allein in der Bäckerbühelgasse sei ein Drittel der alten Gebäude bereits verschwunden, ein weiteres Drittel bedroht. „Es ist der allerletzte Zeitpunkt, um St. Nikolaus zu retten.“

Wolfgang Burtscher kritisiert, dass „für Profitgier etwas Historisches niedergerissen wird“. Er tritt dafür ein, dass die Gebäude renoviert werden und erhalten bleiben, und verweist auf die Stadt Hall als positives Beispiel. „Dort bemüht man sich um jedes einzelne Haus.“

- Elena Reinthaler / TT

Die Initiative findet großen Anklang, bereits 500 Personen haben die Petition zur „Rettung der Koatlackn“ unterschrieben. Diese wurde nun Bürgermeister Georg Willi übergeben, der bereits mehrmals zum Lokalaugenschein gekommen ist. Willi weiß um das Problem: St. Nikolaus sei eine sehr begehrte Wohngegend, wo hohe Renditen zu holen sind. „Die Investoren sind hinter den Häusern her und wollen den Besitzern abluchsen, was nur geht“, erklärt Willi. In den vergangenen Jahren sei viel zu schnell Altes abgerissen und durch Neues ersetzt worden. „Vielfach durch 08/15-Hütten, die keine Aufwertung für den Stadtteil bringen.“

„In St. Nikolaus ist viel zu schnell Altes abgerissen worden und oft durch 08/15-Hütten ersetzt worden.“ Georg Willi 
(Bürgermeister)
- Foto TT / Rudy De Moor

Bürgermeister Willi sieht die Stadt nun in der Pflicht, die Hausbesitzer zu unterstützen, beispielsweise durch das Zulassen von Erweiterungsmöglichkeiten. Immerhin sei es sehr kostenintensiv, alte Gebäude zu erhalten. Die Stadtplanung kann ihren Teil dazu beitragen, indem bei der Umsetzung von Neuem sehr behutsam vorgegangen werde.