Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Innsbruck-Land

Belebung des Ortskerns bleibt heißes Thema in Telfs

Die Telfer Gemeindeführung diskutierte mit Hauseigentümern über Leerstand im Ortszentrum – und Möglichkeiten der Attraktivierung.

© MG Telfs/DietrichAn die dreißig Eigentümer von Geschäftslokalen im Ortszentrum folgten der Einladung ins Hotel Munde. Der intensivierte Dialog zwischen Gemeindeführung und Eigentümern soll fortgesetzt werden. Foto: MG Telfs/Dietrich



Telfs – Als „Problem, das unter den Nägeln brennt“ bezeichnet BM Christian Härting (Wir für Telfs) den derzeitigen Leerstand diverser Geschäftslokale im Telfer Ortszentrum. Und er betont, dass „die Botschaft bei der Gemeinde angekommen ist“. Vor diesem Hintergrund lud die Gemeindeführung die Eigentümer der Geschäftslokale im Ortskern nun zu einer Versammlung ins Hotel Munde.

Die Gemeinde Telfs wolle in dieser Frage aktiv auf die Hausbesitzer zugehen und ihnen alle möglichen Hilfestellungen geben, erklärte Härting. Er verwies auf eine Reihe von Maßnahmen, die man in den letzten Jahren bereits gesetzt habe – etwa die Intensivierung der Wirtschaftsförderungen, Zuschüsse zur Fassadenrenovierung, den Telfer Monatsmarkt oder den Ausbau des Schreier-Parkplatzes im Ortskern.

Allerdings, so Härting, habe die Gemeinde bei diesem Problem nur eine Steuerungsfunktion und Einfluss auf die Rahmenbedingungen, der Ball liege ganz wesentlich bei den Eigentümern.

Unter Anleitung von Moderatorin Sabine Volgger ergab sich ein lebhafter Dialog. Einigkeit herrschte darüber, dass der Ortskern weiter attraktiviert und die Aufenthaltsqualität gesteigert werden müsse – etwa durch mehr Sitzgelegenheiten und Grünpflanzen, Kunstprojekte oder attraktive Veranstaltungen.

Andererseits zeigten sich bei den Wirtschaftstreibenden aber verschiedene Interessenlagen: So scheiden sich die Geister an der seit Langem diskutierten Idee einer generellen Fußgängerzone im Zentrum: Während die einen darin ein Allheilmittel sehen, fürchten die anderen massive Geschäftseinbußen.

Die Marktgemeinde plant im Rahmen des neuen Verkehrskonzepts, wie berichtet, die Einführung einer Tempo-20-Begegnungszone im Ober- und Untermarkt – wobei die Erhöhung der Aufenthaltsqualität und eine Ortsverschönerung als zentrale Ziele genannt werden. „Eine Fußgängerzone wäre für Straßenzüge, die ohnehin schon mit der Frequenz kämpfen, hingegen das Todesurteil“, meint GV Alexander Schatz (Wir für Telfs), Obmann des Ausschusses für Wirtschaft und Ortszentrum. Momentan scheide diese Variante – auch was das Feedback der Eigentümer angehe – daher aus.

GR Norbert Tanzer von der Oppositionsfraktion PZT/SPÖ ist jedoch überzeugt, dass nur mit einer echten Fußgängerzone eine dauerhafte Belebung des Ortskerns gelingen könne. Darüber habe Härting im Gemeinderat keine Diskussion zugelassen. Geld gehöre im Ortskern aber nicht nur in Straßen investiert, sondern auch in den Branchenmix und eine hochwertige Gastronomie. „Es geht darum, Frequenz zu schaffen. Das müsste im Grunde eine eigene Gesellschaft übernehmen, die teilweise vielleicht sogar leer stehende Geschäfte selbst anmieten und passende Mieter finden könnte.“

Für GR Sepp Köll (Telfs Neu), Schatz’ Vorgänger als Ausschussvorsitzender, sind weder Fußgänger- noch Begegnungszone ein Allheilmittel. „Man muss zuerst Voraussetzungen schaffen, damit die Leute ins Ortszentrum hineingehen, sonst nützt eine Fußgängerzone nichts.“ Dafür – und auch im Duell mit dem Online-Handel – brauche es einen „großen Master­plan“. Und es müsse mehr Geld in die Hand genommen werden, meint Köll.

Genau das werde man auch tun, kündigt Schatz an. Und der nun intensivierte Austausch mit den Hauseigentümern werde fortgesetzt. Denn, wie auch er betont: „Die Gemeinde kann nur Anreize und Impulse schaffen, umsetzen müssen es letztlich die Eigentümer.“ (TT, md)