Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.08.2018


Bezirk Schwaz

Gefährlicher Weg im Karwendel sorgt für Zündstoff

Bauern im Bächental fordern eine Straße zur Alm. Die Bundesforste wollen den Weg absichern und die Natur schützen.

© zoom.tirolRund 600 Meter lang ist der gefährliche und abschüssige Weg zu den Almen im Bächental. Ob daraus bald eine Straße wird, ist fraglich.Foto: zoom.tirol



Von Eva-Maria Fankhauser

Eben a. A. – Schmal, steinig, steil und gefährlich – so sieht der Weg für die Kühe und Bauern zur Alm im Bächental im Karwendel aus. Bereits sieben Kühe hat der stv. Bezirksbauernobmann (IBK-Land) Walter Mair auf diesem Viehtriebsweg verloren. Viele andere Rinder haben durch Abstürze oder Steinschlag Verletzungen davongetragen. „Da geht es um Tier- und Menschenleben“, sagt Mair. Viele wollen ihre Kühe gar nicht mehr über diesen Weg auf die Alm bringen.

Für die Bauern mit ihren rund 1000 Stück Vieh im Bächtental ein untragbarer Zustand. Sie wollen, dass der Viehtriebsweg zu einer sicheren Straße ausgebaut wird. „Wir versuchen das schon seit Jahren. Aber die Bundesforste, denen ein Teil des Weges gehört, tun nichts dazu“, sagt Mair. Es gehe um rund 600 Meter Weg. „Die Strecke hat sich schon verkürzt. Weil die Bundesforste dort Holz geschlagen haben, und plötzlich ging es mit einer Straße. Weiter oben ist es für sie aber nicht mehr tragbar“, erklärt Mair.

Seitens der Bundesforste habe man im Juni 2017 einer Sanierung des Weges zugestimmt. „Ebenso befürworten wir, Absturzsicherungen oder andere Maßnahmen an exponierten Stellen zu errichten, um die Sicherheit entlang des Weges im steilen Gelände zu erhöhen“, sagt Pressesprecherin Pia Buchner. Laut ihr wurde im Februar mit allen Beteiligten vereinbart, „dass eine Machbarkeitsstudie zu den baulichen Umsetzungsmöglichkeiten eingeholt wird“. Darauf aufbauend soll dann ein Projekt entwickelt werden. „Bis dato ist kein konkreter Projektvorschlag bei uns eingegangen“, sagt Buchner. Laut Mair will man in Kürze ein Projekt einreichen.

Das Bächental gilt als eines der letzten nicht erschlossenen und ursprünglichen Täler im Naturpark Karwendel, und der Weg führt durch ein Natura-2000-Gebiet sowie das Naturwaldreservat Gföhl. „Bevor wir das Tal erschließen, muss die Notwendigkeit und Machbarkeit geprüft werden. Das wäre schon ein großer Einschnitt in die Natur“, sagt Buchner. Zudem gebe es als Alternative eine Zufahrt für Autos und Lkw von der bayerischen Seite. Der Sanierung des Viehtriebweges stehe nichts entgegen, doch der Ausbau zu einer Straße sei etwas anderes. „Das müsste auch behördlich geprüft werden“, erklärt Buchner. Zudem sei der Bau mit vielen Kosten verbunden.

„Alles eine Lüge“, ärgert sich Mair. Laut ihm haben die Bundesforste nie angeboten, den Weg besser abzusichern. „Das müssen alles wir selbst machen. Wir tragen auch die Finanzierung selbst, sie müssen keinen Cent zahlen, sondern uns nur die Genehmigung für den 2,5 Meter breiten Weg geben“, sagt Mair. Die Breite sei es, die den Bundesforsten widerstrebe. Doch schmäler sei der Weg nicht machbar. „Die Bagger brauchen mindestens 2,5 Meter Breite, um arbeiten zu können“, sagt Mair. Der Umweg über die alternative Straße über Deutschland koste die Bauern zudem eine Dreiviertelstunde pro Fahrt. „Wir wollen die Natur auch erhalten, genauso wie unsere wunderschönen Almen. Aber nicht durch einen lebensgefährlichen Weg“, sagt Mair.

„Wir sind keine Behörde und ich kenne das Projekt nicht, aber ich kann es mir dort nicht vorstellen“, sagt Naturpark-Chef Hermann Sonntag. Immerhin gehe es um ein Naturparkreservat und ein geologisch labiles Gebiet.