Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.08.2018


Exklusiv

Rechnungshof fordert von Tirol realistische WM-Budgets

Tirol muss die „finanzielle Organisation“ von Großveranstaltungen grund­legend ändern. Nordische WM und Rad-WM weisen massive Mängel auf.

© Marcel van HoornEnde September werden die Weltmeister in Tirol gekürt. Die finanzielle Organisation radelt der WM aber noch kräftig hinterher.Foto: Innsbruck Tourismus/Van Hoorn



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es ist nicht nur eine Anleitung zum Umdenken für die Politik, sondern zum Verändern. Denn es reicht nicht aus, sportliche Großveranstaltungen wie die Rad-WM 2018 oder die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld an Land zu ziehen: Sie müssen auch finanziert werden und die Vereinbarungen mit Förderpartnern wie dem Bund müssen passen. Das ist der Befund einer Prüfung des Landesrechnungshofs (LRH), nachdem er die Vorbereitungen der vorhin genannten Weltmeisterschaften hinsichtlich ihrer Finanzierung unter die Lupe genommen hat. Die Organisatoren der Radweltmeisterschaften standen zuletzt ohnehin wegen einer Finanzierungslücke von rund drei Millionen Euro in der Kritik.

Eines schreibt der Landesrechnungshof in seinem Rohbericht über die „Sportförderungen des Landes Tirol“ der Landespolitik ins Stammbuch: Das Land soll nur dann Förderungen für Sport-Großprojekte leisten, wenn es bereits in die Bewerbungsphase eingebunden ist und in der Entwicklungsphase ein realistisches sowie nachvollziehbares Kosten- und Finanzierungsziel vorgelegt wird. Darin sollen überdies mögliche finanzielle Risken erkennbar sein. So gesehen benötigt das Land Tirol nicht nur ein neues Bewerbungsmanagement, darüber hinaus sollte im Vorfeld schon mit einer konkreten Kosten-Nutzen-Rechnung operiert werden.

Bei der Rad-WM wurde beispielsweise das Budget zwischen 2015 und 2016 von 11,2 auf 12,7 Mio. Euro hinaufgeschraubt. Derzeit liegen die Organisatoren, die Innsbruck-Tirol Sports GmbH, bei rund 13 Millionen Euro. Doch bereits 2015, also noch vor dem WM-Zuschlag im Februar 2016, konnten die damaligen Förderzusagen die Gesamtkosten bei Weitem nicht decken. Denn seit dem Bewerbungsbudget nahmen die Verantwortlichen keine Konkretisierung der veranschlagten Einnahmen vor. Es wurde lediglich von „sonstigen Einnahmen“ gesprochen. Diese Erträge waren nach Einschätzung des LRH nichts anderes als die Finanzierungslücke zwischen öffentlichen Förderungen und der Kostenschätzung für die Veranstaltung. Also eine budgetäre Unterdeckung, die nicht so ausgewiesen wurde. Nachvollziehbare Berechnungsparameter z. B. für Sponsorerlöse fehlten.

Dessen ungeachtet und trotz mangelhafter finanzieller Grundlagen hat die Tiroler Landesregierung nach der erfolgreichen Bewerbung eine Förderung von drei Millionen Euro gewährt. Bis Mai 2018 reduzierte sich die Finanzierungslücke laut Landesrechnungshof auf 2,6 Mio. Euro. Seither dürfte sich dieser Betrag durch einen zusätzlichen Sponsor weiter verringert haben. Doch der LRH kommt zum Schluss, dass das Land Tirol nach der WM wohl mit einer Ausfallshaftung zu rechnen habe. Mit dem Ende Juni gewährten Liquiditätszuschuss scheint das bereits vorweggenommen worden zu sein. 1,8 Millionen Euro streckte das Land vor, 1,2 Millionen die Stadt Innsbruck. Zuvor wurden bereits im Mai 500.000 Euro zugeschosssen.

Insgesamt betragen die Förderungen für die Rad-WM 10,1 Mio. Euro: Land ( 3,5 Mio. Euro), Bund (drei Mio. Euro), Stadt Innsbruck (780.000 Euro), Tirol Werbung und TVB Innsbruck und seine Feriendörfer jeweils eine Mio. Euro sowie die übrigen Tourismusverbände 850.000 Euro.

In Seefeld schwankten die ursprünglich prognostizierten Kosten für die Nordische WM zwischen 16,5 Millionen Euro im Jahr 2014 und 27,9 Millionen Euro im Juli des Vorjahres. Bis ins späte Frühjahr 2018 gab es vom Bund lediglich eine Absichtserklärung über die Aufteilung der Kosten, Finanzierungsvereinbarung lag noch keine vor. Zwischenzeitlich ist das erfolgt. Diese Vorgangsweise stößt dem Landesrechnungshof sauer auf. Bisher hat das Land Tirol 8,5 Millionen Euro geleistet, rund elf Millionen könnten es werden. Der Bund zahlt denselben Beitrag.

Generell, sowohl für die Rad-WM als auch die Weltmeisterschaften der Nordischen, bemängelt der Landesrechnungshof, dass die beiden Veranstaltungen aus unterschiedlichen Gründen nicht ausfinanziert waren.