Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.08.2018


Exklusiv

Dicke Luft bei den Seilbahngrundsätzen

Rund um die Neufassung der Seilbahngrundsätze gibt es in der schwarz-grünen Koalition noch viel Gesprächsbedarf. Es hakt bei neuen Talabfahrten.

© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Peter Nindler

Innsbruck – Skigebiete sind stets ein Reibebaum in der schwarz-grünen Landeskoalition. Der geplante Zusammenschluss der Axamer Lizum mit der Schlick über das Ruhe­gebiet Kalkkögel führte zur Zerreißprobe. Auch innerhalb der ÖVP. Das Projekt wurde aus rechtlichen Gründen nicht weiterverfolgt. Das Tiroler Seilbahn- und Skigebiets­programm läuft Ende des Jahres aus. Die Verhandlungen für ein neues haben bereits begonnen, und dabei prallen die bekannten Positionen aufeinander: Die Touristiker wollen neue Lifte mit Pisten, die Grünen lehnen zusätzliche Abfahrten ab. Im Koalitionsabkommen haben sich ÖVP und Grüne darauf verständigt, dass es zu keinen Neu­erschließungen kommt und Zusammenschlüsse, Abrundungen und Zubringer dort möglich sind, wo sie sinnvoll und ökologisch verträglich sind.

Überschattet wird die Debatte über die beabsichtigte Gletscherehe Pitztal-Ötztal. Die Betreiber haben um Nachfrist bis August für die Nachreichung weiterer Unterlagen gebeten. Trotzdem: Pitztal-Ötztal mit der Zubringerbahn Griestal, Kappl-St. Anton und Spieljoch-Hochzillertal befinden sich bereits im behördlichen Verfahren und wurden deshalb koalitionär außer Streit gestellt: Sie sind nach den einschlägigen rechtlichen Kriterien abzuarbeiten.

Neue Pisten im Zusammenhang mit der Gletscherehe könnten allerdings zum Streitfall werden. Wie auch die weiteren Vorhaben. Schließlich sind Zubringerbahnen am Hochzeiger von der Pitztalstraße aus geplant, Neustift-Schlick 2000 und die Verbindungs- und Abrundungsprojekte (mit Pistenflächen) wie Hochoetz-Kühtai mit der Schafjochbahn, Hoch­fügen-Tux mit der weiteren Anbindung Pill/Weer und schlussendlich Sillian-­Helm/Sexten.

Offenbar wurde ein­e umfangreiche Liste bei den ersten Verhandlungen präsentiert, die Grünen geben sich dabei zurückhaltend. Der grün­e Klubchef Gebi Mair spannt vorsorglich die Muskeln an: „Für uns Grüne ist es wichtig, dass es zu keinen Neuerschließungen kommt. Außerdem stehen Schutzgebiete außer Diskussion, deshalb sind sie ja Schutzgebiete. Bei einzelnen Projekten könnte eine Seilbahn sinnvoll sein, um Verkehr zu vermeiden, dann braucht es aber üblicherweise kein­e neuen Pisten.“ Insgesamt müsse man feststellen, dass die Projekte der Seilbahner häufig eher Luftschlösser und sehr unkonkret seien. Starker Tobak an die Adresse der Seilbahner.

Laut Mair wird es weiterhin ein Tiroler Seilbahnprogramm geben, das raumordnerische Einschränkungen vornimmt. „Was ich mir darüber hinaus wünsche: Wenn Seilbahnbetreiber gegen das Naturschutzgesetz verstoßen, dann lachen sie heute oft über die Strafen. Eigentlich sollte es aber so sein, dass sie keine neuen Projekte beantragen können, bis zumindest der Schaden der Verstöße gegen das Naturschutzgesetz beseitigt ist.“ Zuletzt sorgte wieder einmal ein Weg in einem Skigebiet für Debatten. Die vorübergehende Projekt­sperre wäre für den grünen Klubchef eine echte Innovation im Sinne des Naturschutzes in Tirol. „Wer die Tiroler Natur schädigt, darf nicht mit einer Bagatellstrafe davonkommen“, betont Mair.

Seilbahnvertreter und Wirtschaftsbundobmann NR Franz Hörl (VP) sieht die Diskussion entspannt. „Tirol ist ein Tourismusland, davon werden wir die Grünen halt überzeugen müssen.“ Es gebe intensive Gespräche, noch im August wolle man die Seilbahngrundsätze mit einer weiteren Befristung finalisieren. Eigentlich sind laut Hörl nur noch Details offen, „es spießt sich aber bei den Talabfahrten für die Zubringerbahnen“. Für Hörl sind sie notwendig, weil eine alternative Abfahrt zu den Bahnen möglich sein sollte. „Allein schon wegen der Föhntage in Tirol.“ Hörl geht aber davon aus, dass es zu einer Einigung kommen werde. „Viel Zeit haben wir aber nicht mehr.“




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