Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.08.2018


Bezirk Landeck

Muren im Stanzertal bescheren Kosten von 12 Mio. Euro

LH Günther Platter hat sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörungen in Schnann und Pettneu gemacht. Er sicherte Hilfe des Landes zu.

© WenzelLH Günther Platter (3. v. l.) traf am Samstag zum Lokalaugenschein ein. VBM Patrik Wolf, BM Manfre­d Matt sowie die Wildbach-Experten Gebhard Walter und Daniel Kurz (v. l.) informierten ihn.Foto: Wenzel



Von Helmut Wenzel

Pettneu, Schnann – Nach 1400 Einsatzstunden seit dem Murenabgang vom 1. August konnten sich die Feuerwehrmänner erstmals eine Verschnauf­pause gönnen. Man traf sich gestern Samstag in der Schnanner Feuerwehrhalle, um eine Exkursion zu den „Hotspots“ der Naturkatastrophe zu starten. Mit dabei waren LH Günther Platter, Bürgermeister Manfred Matt, Vize Patrik Wolf, Bezirksfeuerwehrfunktionäre sowie Fachexperten.

„Vom Land wird es voll­e Unterstützung geben.“ Das war die wichtigste Botschaft, die der Landeshauptmann gegenüber der Gemeindeführung von Pettneu verkündete. BM Matt nannte erstmals eine Schadenssumme – sie soll bei bis zu 12 Mio. Euro liegen.

Dass es bei dem Katastrophenszenario weder Tote noch Verletzte gab, sei ein Riesenglück, sagt­e Platter. Der Feuerwehr und allen, die beim Aufräumen geholfen haben, könne er nur danken. Und: „Ich habe Respekt vor dem großen Zusammenhalt im Dorf.“

Ausgelöst habe die Mur­e ein heftiger lokaler Hagelschlag, schilderte BM Matt. „Es ist alles enorm schnell gegangen, in 15 Minuten war das Auffangbecken voll.“ Dann habe der Schnanner Bach etwa 40.000 Kubikmeter Geröll und Schlamm durch die Siedlung in die Trisanna bewegt. Es kam zu Verklausungen und Staus, die Bahntrasse wurde ebenso erfasst wie das Schnanner Gewerbegebiet.

„Die Räumung der Geschiebebecken hat oberst­e Priorität“, stellten Platter und Matt fest. Inklusive Gridlon-Staubecken in Pettneu müssen 350.000 Kubikmeter Geschiebe ausgebaggert werden. Beim Auffangbecken am Schnanner Bach, wo auch am Wochenende Bagger und Lkw im Einsatz waren, schaffe man 1200 bis 1500 Kubikmeter täglich, weiß Matt. Rund 80.000 Kubikmeter müssten dort geräumt werden. „Dann kann man sich’s ausrechnen, wie lange wir noch brauchen. Aber wir müssen Platz machen für die nächste Mure.“

Auch wenn aus geologischer Sicht im Abbruchgebiet in den „Hinteren Pleisen“ (Lechtaler Alpen) derzeit alles stabil sei, könne man weitere Muren bei Hagel keinesfalls ausschließen, hob Gebhard Walter von der Wildbach-Sektion Tirol vor. „Material liegt noch genug oben.“


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