Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


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Mitarbeiter zittern um Jobs, Chef hat Drei-Jahres-Vertrag

Die Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste muss Mitarbeiter und Heimplätze reduzieren. Mitte 2019 droht ein Liquiditätsengpass.

© Land TirolDie ehemalige grüne Soziallandesrätin Christine Baur hat Harald Bachmeier 2017 im Alleingang für drei weitere Jahre bestätigt.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der großgewachsene Mann aus Bayern, Harald Bachmeier, ist schon lange als Chef der Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) umstritten. Von der ehemaligen grünen Soziallandesrätin Christine Baur zur Betreuung der Asylwerber geholt und 2017 um drei weitere Jahre von ihr im Alleingang verlängert, bereitet Bachmeier der jetzigen Soziallandesrätin Gabriele Fischer Kopfzerbrechen. Die Chemie zwischen ihr und dem Geschäftsführer habe von Anfang an nicht gestimmt. Jetzt könne Bachmeier gar nichts mehr recht machen, klagen die Mitarbeiter der TSD. 380 waren es einmal, bis 2020 dürften an die 70 übrig bleiben. Die meisten würden sich bereits nach Jobs umschauen. „Wer kann, der geht“, sagt einer.

„Die TSD ist deshalb ausgegliedert und gegründet worden, um auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können“, sagt Soziallandesrätin Fischer. Zu Höchstzeiten betreuten 380 Mitarbeiter an die 6800 Asylwerber. Deren Zahl sinkt und sinkt und dürfte sich bis 2020 auf 1400 bis 1800 einpendeln. Der Stellenabbau ist bereits im Gange. Derzeit ist die Zahl der Mitarbeiter auf unter 300 gesunken. „Im Herbst wird es eine Informationsrunde geben, wo wir Perspektiven für die Mitarbeiter aufzeigen werden“, sagt Fischer.

Es sieht alles andere als rosig aus: Aus einem der TT vorliegenden Protokoll der letzten Aufsichtsratssitzung geht hervor, dass es bis Mitte August einen genauen Plan geben soll, wie es mit dem Personal und den Heimen weitergeht. Über alledem drohe der TSD ab Mitte 2019 ein Liquiditätsengpass. Bei dieser Prognose seien bereits alle durchgeführten und geplanten Einsparungen mitberechnet. Trotz Rückstellungen und den damit einhergehenden Einsparungen bei den Mieten werde das Jahr 2019 auch bilanziell nicht mehr positiv abgeschlossen werden können, heißt es in dem Protokoll. Von einem Minus von bis zu 4,9 Millionen Euro ist zu lesen.

Wie hoch der Abgang sein werde, könne sie noch nicht sagen, meint Fischer. „Mir liegt noch kein Bericht vor.“ Harald Bachmeier sagt, er habe ein Konzept, mit dem es sich 2019 ausgeglichen bilanzieren lasse. „Die Voraussetzung ist, dass das Land mit einer Million Euro einspringt.“ Die Lücke von einer Million Euro entsteht laut Bachmeier, weil das Land einen Betreuungsschlüssel für Asylwerber von 1:70 vorsieht, der Bund aber nur 1:140, also einen Betreuer auf 140 Asylwerber, zahlt. Bachmeiers Konzept sieht auch noch vor, wie Personal abgebaut und Heimplätze reduziert werden. „1500 Betten haben wir heuer geschlossen, 900 waren es das letzte Jahr.“ Bachmeier hofft, dass die Landesregierung sein Konzept am 15. August absegnet, so es denn auf der Tagesordnung ist.

Einer Idee kann die schwarz-grüne Landesregierung bereits Adieu sagen. Anerkannte Flüchtlinge, die Mindestsicherung erhalten, können nicht in die Asylwerberheime einziehen. Dadurch wollte Schwarz-Grün Wohnkosten sparen und die Höhe der Mindestsicherung für Ausländer drücken. Die TSD haben mit Vermietern teils langfristige Verträge abgeschlossen, dürfen aber die Wohnungen nicht an Flüchtlinge untervermieten. Rechtlich sei das ziemlich verkorkst und werde zudem von Bezirkshauptmannschaft zu Bezirkshauptmannschaft unterschiedlich, aber restriktiv gehandhabt. Das Interesse, Mindestsicherungsempfänger in den Heimen unterzubringen, sei gering, erzählt ein Mitarbeiter.

Harald Bachmeier harrt der Dinge. Bis 2020 geht sein Vertrag. Dass die Chemie zwischen ihm und Fischer nicht stimme, will er nicht kommentieren. Da bleibt sogar er, der gerne lacht, ernst.


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