Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.08.2018


Landesverwaltung

Verlagerung aufs Land: Strategien gegen den Wasserkopf Innsbruck

Um den ländlichen Raum aufzuwerten, könnte die Landesverwaltung stärker dezentralisiert werden. Es müsse nicht alles in Innsbruck sein.

© Thomas Boehm / TTIn Innsbruck zentrieren sich viele Arbeitsplätze. Das lockt Pendler aus den naheliegenden Seitentälern, entlegener­e Regionen sind von Abwanderung bedroht. Die Digitalisierung werde den Trend noch verschärfen. Foto: Böhm



Von Anita Heubacher

Innsbruck – 55 Prozent der Landesverwaltung sind in Innsbruck angesiedelt. Der Rest über die Bezirkshauptmannschaften am Land. Das Institut für Föderalismus hat im Auftrag des Tiroler Landtages eine Studie erstellt, die zeigen soll, welche Möglichkeiten es gibt, Jobs am Land zu schaffen.

„Während also bei der Landesverwaltung das Verhältnis zwischen Stadt und Land gar nicht so schlecht ist, schaut es bei den landeseigenen Gesellschaften ganz düster aus“, sagt Georg Keuschnigg vom Institut für Föderalismus in Innsbruck. Vom landeseigenen Energieversorger Tiwag bis hin zum Verkehrsverbund Tirol befänden sich alle landeseigenen Unternehmen zur Gänze in der Landeshauptstadt.

Was man in der Inntal­furche verteilen könnte und wie, hat sich das Institut angesehen. Einzig Lienz und Reutte gehen in der Studie leer aus. „Beide Bezirke sind einfach zu disloziert.“ Für die Inntalfurche könnte sich folgendes Bild ergeben: Als kleinste Form der Verlagerung würde das Institut Co­working-Spaces vorschlagen. Ein solches Bür­o könne beispielsweise in Imst installiert werden. „Der Vorteil wäre, dass jemand aus einem Seitental vielleicht den Job in der Verwaltung eher annimmt, wenn er nicht fünfmal, sondern nur viermal nach Innsbruck fahren muss, weil er freitags in Imst arbeiten kann.“ Der Hintergedanke ist einfach, Jobs in der gesamten Inntalfurche zu verteilen, brächte mehr Chancen außerhalb der Landeshauptstadt, würde weniger Pendelverkeh­r produzieren und die Leute am Land eher halten.

In Tirol sind bereits das Außerfern oder Osttirol, aber auch der Bezirk Landeck von Abwanderung betroffen. „Dass die Digitalisierung diesen Trend stoppen könnte, hat sich nicht bewahrheitet.“ Im Gegenteil, meint Keuschnigg. „Die Digitalisierung macht zwar distanzunabhängig. Die Praxis hat aber gezeigt, dass sie die Diskrepanz zwischen urbanem und ländlichem Raum vergrößert.“

Die Studie schlägt vor, ganze Abteilungen der Landesverwaltung aufs Land zu verlegen und Verwaltungszentren entstehen zu lassen. „Wenn bereits irgendwo Kompetenz angesiedelt ist, könnte man diese noch ausbauen“, sagt Keuschnigg. So könne in Rotholz ein landwirtschaftliches Verwaltungszentrum entstehen.

Noch mehr Arbeitsplätze und eine regelrechte Sogwirkung könnten Kompetenzzentren bringen. Hier wäre von Fachhochschulen über Forschungseinrichtungen bis hin zur Berufsausbildung alles gebündelt. Die Verwaltung würde obendrauf noch dazukommen. „Das würde sich im Tourismus ebenso anbieten wie in der Pflege“, meint Keuschnigg. Er betont, dass die nun vorliegende Studie keine Machbarkeitsstudie sei, sondern lediglich Handlungsfelder aufzeige. Am Zug ist nun die Landespolitik.