Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Landespolitik

„Mit einer Tasche voller neuer Ideen nach Hause“

75 deutschsprachige Bürgermeisterinnen sind zum Ideenaustausch, Netzwerken und zur Stärkung ihres Amtes für drei Tage in St. Ulrich.

© Michael MaderTirols Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf, Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl, LR Beate Palfrader und Bürgermeisterin Brigitte Lackner (vorne, von links) bei der Eröffnung des ersten europäischen Treffens deutschsprachiger Bürgermeisterinnen in St. Ulrich am Pillersee.Foto: Mader



Von Michael Mader

St. Ulrich a. P. – Ein lang gehegter Wunsch ist gestern für Bürgermeisterin Brigitte Lackner mit dem ersten europäischen Treffen deutschsprachiger Bürgermeisterinnen in Erfüllung gegangen. Immerhin 75 Bürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Luxemburg sind ihrem Ruf gefolgt und noch bis Mittwoch in St. Ulrich am Pillersee. Eine beachtliche Zahl, gibt es doch in Österreich bei insgesamt 2098 Gemeinden nur 161 Bürgermeisterinnen.

„Es ist wichtig, dass wir uns einmal im Jahr treffen“, berichtet Lackner von der Idee von Bürgermeisterin Sonja Ottenbacher, die 2007 das erste österreichische Bürgermeisterinnentreffen im Salzburger Stuhlfelden organisiert hat. „Wir haben es täglich mit einem immer noch männerdominierten Bereich zu tun“, erklärt Lackner weiter. So kam sie auf die Idee, ein europäisches Treffen zu veranstalten. Für Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl der Start für eine europäische Zusammenarbeit.

Neben dem intensiven Erfahrungsaustausch, Fachvorträgen und Workshops kommt auch der gesellschaftliche und touristische Teil nicht zu kurz.

„Ich hoffe, dass wir mit einer Tasche voller neuer Ideen nach Hause gehen“, meint Lackner, die mit dem Bürgermeisterinnen-Treffen auch ein Signal setzen will: „Es gibt viele Frauen, die es tun, die es gerne machen und die es auch können.“

Unterstützung kommt dabei unter anderem von Gemeindebund-Präsident Riedl: „Gerade bei den kommunalen Spitzenpositionen gibt es den größten Handlungsbedarf, denn auf Ebene der Vizebürgermeisterinnen und Gemeinderätinnen gibt es bereits viel mehr Frauen. Daher muss es allen Ebenen ein zentrales Anliegen sein, die Funktion so attraktiv zu machen und Frauen darin zu bestärken, dass sie sich für das Bürgermeisteramt entscheiden.“

Die Ideen, die an diesen drei Tagen in St. Ulrich entstehen, sollen laut Riedl unter anderem bei der Subsidiaritätskonferenz in Bregenz und bei der EU-Regierungskonferenz in Wien einfließen. Aber auch der Gemeindebund wird ein Zeichen setzen und zwei Vize-Präsidentinnen wählen.

Frauen bestärken, solche Ämter auch aktiv anzustreben, möchte Tirols Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf mit dem Empowerment-Programm des kommunalen Ausbildungsinstituts Grillhof.

Landesrätin Beate Palfrader lobte die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterinnen: „Frauen haben einen anderen Zugang zu Themen. Wir brauchen aber keine Frauen-Politik und Männer-Politik, wir brauchen eine gute Politik mit weiblichen Sichtweisen genauso wie mit männlichen Sichtweisen.“