Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Tirol

Neues Konzept für Landesjagd

Ob die Pacht im Pitztal verlängert wird, zeigt sich im Herbst. Fokus soll künftig noch mehr auf Forschung gelegt werden. Abgang im Jahr 2017 auf 185.000 Euro gesunken.

© BöhmSymbolbild.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Stichtag 31. März 2019. Lange ist es also nicht mehr hin, bis der Pachtvertrag für die oft gescholtene Landesjagd im Pitztal ausläuft. Ob ihn die Tiroler Landesregierung wirklich verlängern wird, steht derzeit noch nicht fest. Der Wunsch ist jedenfalls da. Von der Politik wie auch von Seiten der Jäger.

Im Herbst soll ein fertiges Konzept darüber vorgelegt werden, wie die Landesjagd künftig gestaltet wird. Konkretes gibt es nicht zu erfahren. „Es wird aber, sofern die Pacht verlängert wird, eine endgültige Abkehr von der Repräsentationsjagd sein“, versichert Klaus Wallnöfer, Leiter der Abteilung Jagd des Landes.

Seit fast zehn Jahren werde in der Landesjagd vorrangig geforscht, getestet und fortgebildet, hält Wallnöfer fest. „Dieser wissenschaftliche Ansatz soll jedenfalls weiter vertieft werden. Von der Rehkitzmarkierung über Parasitenuntersuchungen, Wildverbiss-Schutz hin zu Munitionstests: Es gibt viele Ideen, die aufgegriffen, beziehungsweise bereits durchgeführte Projekte, die ausgeweitet werden können“, sagt er. Kooperationen mit dem Naturpark Kaunergrat wie auch mit dem in Entstehung befindlichen Steinbockzentrum in St. Leonhard im Pitztal seien ebenfalls angedacht und wohl fester Bestandteil der Neuausrichtung.

Dennoch hält Wallnöfer fest, dass die Landesjagd „trotz aller Forschung ein Jagdbewirtschaftungsbetrieb bleibt. Innerhalb dieses wirtschaftlich geführten Betriebes sollen sinnvolle Projekte für die Jagd, den Naturschutz oder auch den Tourismus ausgeführt werden.“ An der Konzeption arbeiten Wallnöfer, sein Vorgänger Franz Krösbacher, Mitarbeiter der Abteilung Jagd sowie Vertreter der örtlichen Gemeinden und Interessenvertretungen mit.

Besonders wegen der als zu hoch befundenen Zuschüsse der öffentlichen Hand und der nicht mehr zeitgemäßen Repräsentationsjagd steht die seit dem Jahr 1948 bestehende Pitztaler Landesjagd schon seit Jahren in der Kritik. Wie aus dem bereits Ende April veröffentlichten Jahresbericht der Landesjagd hervorgeht, ist der Abgang gesunken – von 257.000 Euro im Jahr 2016 auf 185.000 Euro im Vorjahr. Im Haushaltsvoranschlag 2017 waren für die Landesjagd Ausgaben von 620.000 Euro und Einnahmen von 283.000 Euro vorgesehen. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen 569.000 Euro, die Einnahmen 384.000 Euro. Während im Jahr 2016 vier Ehrenabschüsse vergeben wurden, waren es 2017 drei – ein Murmeltier, ein Hirsch und ein Gamsbock.

Auch für Franz Pegger, Jagdleiter der Pitztaler Landesjagd, sind die in Ausarbeitung befindlichen Ideen der Neuausrichtung notwendig, einem Ausbau der Forschungstätigkeit, „von der dann auch andere Jagden im Land profitieren“, kann der hauptberufliche Rechtsanwalt viel abgewinnen. Und auch Landesjägermeister Anton Larcher wäre „froh, wenn wir als Jagdverband ein Forschungsrevier hätten, das für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden kann“.

Josef Geisler (ÖVP), Landeshauptmannstellvertreter und in der Landesregierung für die Jagd-Agenden zuständig, ist, angesprochen auf eine mögliche Verlängerung der Pacht, noch etwas zurückhaltend: „Ob wir uns dazu entschließen, wird sich im Herbst zeigen. Wenn, dann ist eine Neuausrichtung aber unumgänglich.“ Wichtig ist dem Landeshauptmann-stellvertreter, dass „die Vorschläge nicht von oben aufgesetzt wurden, sondern von den Betroffenen aus Gemeinden, Tourismus und Jagd. Wenn ein Mehrwert für die Region gegeben wird, ist eine Verlängerung der Pacht sinnvoll.“

Aus dem Büro des Landeshauptmanns heißt es, dass die Regierung auf Basis der „Gespräche der Abteilung mit allen Beteiligten und deren Vorschlägen diskutieren und entscheiden wird.“


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

EXKLUSIV
EXKLUSIV

Pitztaler Gletscher: Grat zerstört, Skiweg verboten

Trotz behördlichen Stopps wurde der Skiweg am Pitztaler Gletscher weitergebaut. Die BH untersagt jetzt die Benützung.

Nach Südtirol-Wahl
Nach Südtirol-Wahl

Causa Doppelpass: Südtirols Schützen nehmen Platter unter Beschuss

Das Land Tirol werde die Doppelpass-Initiative der türkis-blauen Bundesregierung nicht forcieren, erklärte Tirols LH Platter am Dienstag. Vom Südtiroler Schü ...

Südtirol-Wahl
Südtirol-Wahl

Köllensperger nach Wahlerfolg: „Das war erst der Anfang“

Das „Team Köllensperger“ ist die Überraschung der Landtagswahl, sein Spitzenkandidat will noch höher hinaus. Auch die rechtspopulistische Lega darf sich als ...

Südtirol-Wahl 2018
Südtirol-Wahl 2018

So hat Südtirol gewählt: SVP-Verluste, Debakel und Überraschungen

Die Südtiroler Landtagswahlen sind geschlagen und die SVP fällt auf einen neuen Tiefststand. Die Lega Nord und das Team Köllensperger sind die großen Sieger. ...

Südtirol-Wahl 2018
Südtirol-Wahl 2018

Zufriedenheit, Frust und Jubel: Die Reaktionen zur Südtirol-Wahl

Nach der Landtagswahl in Südtirol zeigte sich Landeshauptmann Kompatscher trotz der Verluste mit dem Ergebnis zufrieden. Während das Team Köllensperger und d ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »