Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Innsbruck

Alk-Verbot in Innsbruck könnte Szene verdrängen

Der Ärger der Nachbarn rund um soziale Einrichtungen führt jetzt zu Sofortmaßnahmen der Stadt. Gelöst ist damit aber nicht alles.

© TT/Julia HammerleVP-Vizebürgermeister Franz Gruber: "Sicherheit und Soziales sind politische Geschwister."



Von Marco Witting

Innsbruck – Von der Entfernung dreier Parkbänke bis hin zu einer möglichen Ausweitung des Alkoholverbotes: VP-Vizebürgermeister Franz Gruber ist sich bewusst, dass es wohl ein Bündel an Maßnahmen brauche, um die „Hotspots“, wie er es nennt, rund um drei soziale Einrichtungen zu entschärfen. Wie berichtet, hatten sich mehrfach Anrainer hier über Lärm, Pöbeleien und Auseinandersetzungen beklagt. Die gehen meist gar nicht von den Klienten der Einrichtungen aus, sondern von einer Szene, die sich darum gebildet hat. Doch Gruber sagt auch: „Sicherheit und Soziales sind politische Geschwister.“ Sprich: Durch Sicherheitsmaßnahmen können Probleme zwar verlagert werden – löst man sie sozialpolitisch aber nicht, tauchen sie anderswo demnächst wieder auf. Und dieses Problem kennt man in Innsbruck mittlerweile auch.

Als Verantwortlicher für beide Ressorts hat Gruber dabei einige Zügel in der Hand. Gemeinsam mit BM Georg Willi (Grüne) lud er gestern deshalb auch zum ersten Sicherheits-Jour-fix. Sofortmaßnahmen aus diesem und der Begehungen der Stadt rund um Z6, Teestube und Mentl­villa gab Gruber gestern bekannt. In der Kapuzinergasse werden die Parkbänke abmontiert, eine alternative Aufenthaltsmöglichkeit soll über den Zugang der Teestube geboten werden. Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, die Katharina-Stube auszubauen. „Entzerren“ könne man damit das Problem bei der Teestube, sagt Gruber. Der aber auch eine Ausweitung des Alkoholverbots in diesem Bereich und bei der Mentlvilla nicht ausschließt. Auch beim Z6 seien die Probleme „durchaus lösbar“ – es brauche auch hier „klare Regeln und bauliche Maßnahmen“. Gleichzeitig, so versicherte Gruber, seien die Einrichtungen „unverzichtbar“ und leisten enorm wichtige Arbeit. Klar ist der Politik aber auch, dass es schnelle umfassende Lösungen wohl nicht geben kann. „Work in progress“, nennt Gruber das.

Für Polizei und Mobile Überwachungsgruppe (MÜG) sind die Beschwerden der Anrainer eine Herausforderung. MÜG-Chef Elmar Rizzoli berichtet an sonnigen Wochenendtagen von 30 bis 40 Meldungen über Lärmbelästigungen in der Stadt. Pro Tag. Die Einsatzkräfte betonen aber, dass sie nur im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten handeln können. „Wir leben glücklicherweise in einem Rechtsstaat und können nicht einfach so jemanden festnehmen“, sagt Reinhard Moser, stellvertretender Stadtpolizeikommandant. Für die „Hotspots“ soll es jetzt einen verstärkten Streifendienst geben – was natürlich auf Kosten von anderen Gebieten geht. Auch hier also eine Verdrängung. Für MÜG und Polizei ist klar, dass es Probleme immer gegeben hat. In Innsbruck sei es quantitativ nicht mehr geworden. „Die Qualität, dass mittlerweile viele Messer im Spiel sind“, wie Moser sagt, das sei aber ein neues Phänomen.


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