Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


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Südtirols Pläne gegen Wölfe erhalten Unterstützung

Seit Monaten mobilisiert die Regierung in Bozen gegen große Beutegreifer. Gemeinsam mit Toskana und Trentino will man jetzt bei der EU intervenieren.

© dpa/dpawebEin Gesetz, das die Entnahme von Wölfen erlaubt, existiert in Südtirol bereits. Noch ist aber nicht geklärt, ob das Gesetz rechtskonform ist.Symbolfoto: dpa



Innsbruck, Bozen – Als Ultima Ratio, als letztes Mittel, soll sogar eine „Entnahme“ möglich sein. Das heißt, macht ein Wolf allzu große Probleme, kann er erschossen werden. So sieht es zumindest, wie berichtet, ein vom Südtiroler Landtag erlassenes Gesetz vor.

Widerstand dagegen kommt vom italienischen Staat. Umweltminister Sergio Costa hatte angekündigt, das Gesetz vor dem Verfassungsgericht anzufechten. Aber nicht nur in Südtirol hat man genug vom Wolf. Auch zwei andere italienische Regionen, das Trentino und die Toskana, wollen ihm den Kampf ansagen. Bei einem Treffen der Landwirtschaftsreferenten der drei Ländern habe man entschieden, künftig gemeinsam in Rom zu intervenieren, wie die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet. Und der Protest soll sogar bis vor die EU getragen werden. Bei einem Treffen am 4. September in Brüssel wollen die drei Regionen in der Landwirtschaftskommission die Einführung „regionaler Regelungen der Habitat-Richtlinien fordern“, heißt es im Zeitungsartikel.

Der in Südtirol für Land- und Almwirtschaft und damit auch für die Wolfsthematik zuständige Südtiroler Landesrat Arnold Schuler (SVP) sagte in der Zeitung Dolomiten, dass das Gesetz für ein Wolfsmanagement zwar bereits in Kraft getreten sei, die dafür nötigen Durchführungsbestimmungen dazu aber fehlen würden. Man müsse noch festlegen, „unter welchen Bedingungen die Entnahme angeordnet werden kann“, betont Schuler. Dies dürfe in etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. So lange wollen die Verantwortlichen aber nicht warten. Schuler gegenüber den Dolomiten: „Wir haben vereinbart, in einem gemeinsamen Schreiben auf die rasche Verabschiedung des immer noch ausstehenden Wolfsplans zu drängen.“

Rund 500 Risse von Nutztieren, zirka eine Million Euro an Entschädigungen, die ausgezahlt wurden – diesen Schaden hat der Wolf in der Toskana angerichtet. Und das ist nur die Bilanz aus dem Jahr 2017. Mit mehr als 100 Rudeln mit mehreren hundert Tieren leben in der Toskana so viele Wölfe wie in keiner anderen italienischen Region. Dahingegen sind die Zahlen in Südtirol verschwindend gering: Im Juli wurde lediglich viermal der Nachweis für die Anwesenheit eines Wolfes erbracht. (TT)




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